Wien - Bei der russischen "S-200 SA-5", die die Tupolew 154 über dem Schwarzen Meer getroffen haben soll, handelt es sich um eine radargesteuerte Boden-Luft-Rakete, Nato-Codename "Gammon". Vier Tanks, jeder 4,9 Meter lang und 0,5 Meter im Durchmesser, bringen die Rakete auf eine maximale Flughöhe von 30,5 Kilometer, bei einer Einsatzreichweite von rund 320 Kilometer. Die Reichweite ist allerdings abhängig von der Frequenzstärke der leitenden Radarstation, die wesentlich unter 300 km liegen kann.

Bei guten Bedingungen kann die S-200 bis zu vierfache Schallgeschwindigkeit (4.906 Kilometer pro Stunde) erreichen und einen Sprengkopf von 215 Kilogramm tragen. Die Art des möglichen konventionellen Sprengstoffes und der "Kill radius" des Sprengkopfes ist der Nato offiziell unbekannt. Die "Gammon" kann natürlich auch mit einem nuklearen Sprengkopf ausgerüstet werden.

Die 10,72 lange Rakete ist auf Grund seiner Antriebskonstruktion ungeeignet für Angriffsflüge unter 60 Kilometer. Auch das Ziel-Erfassungssystem soll innerhalb dieser Distanz nicht exakt arbeiten. Jedenfalls hätte ein einwandfrei arbeitendes Ziel-Erfassungssystem die Tupolew 154 in einer Flughöhe von 11.000 Meter eindeutig als harmlosen Passagierjet identifizieren müssen. (plo/DER STANDARD, Print- Ausgabe, 6./7. 10. 2001)