Ramallah/Jerusalem - Die palästinensische Autonomiebehörde hat militanten Gruppen im Westjordanland und im Gazastreifen erstmals offen mit Bestrafung gedroht. Das Kabinett von Palästinenserpräsident Yasser Arafat veröffentlichte am Samstag eine Erklärung, in der es hieß, man werde "Maßnahmen gegen jene Gruppen ergreifen, die ihre Gewalttätigkeiten nicht einstellen". Die Erklärung beschuldigte "einige der bewaffneten Kräfte", die palästinensische Entscheidung für eine Waffenruhe mit Israel verletzt zu haben. Damit hätten sie der israelischen Regierung einen Vorwand gebiten, ihre Angriffe gegen die Palästinenser fortzusetzen. Die Angriffe der Militanten seien "gefährliche Aktionen, die die nationalen Interessen" der Palästinenser beschädigten. Hamas und Dschihad wollen weiter kämpfen Die radikal-islamische Hamas und die extremistische Gruppe Islamischer Dschihad hatten in dieser Woche Arafat offen herausgefordert und erklärt, sie würden weiter gegen Israel kämpfen. Am Freitag bekannten sich die "Al-Aksa-Brigaden", eine Splittergruppe der Fatah von Arafat, zu dem Terroranschlag eines palästinensischen Todesschützen in der nordisraelischen Stadt Afula. Hamas bekannte sich zum tödlichen Überfall auf eine jüdische Siedlung im Gazastreifen. Der Anführer der Fatah im Westjordanland, Marwan Barghuti, widersetzte sich umgehend dem Aufruf von Arafat. Der Aufstand der Palästinenser werde weitergehen. "Dieser Aufstand hat nicht mit einer Entscheidung begonnen und wird auch nicht mit einer Entscheidung von irgendjemandem enden", sagte er. Sharon: "Verhältnis zu USA nicht gefährden" Der israelische Außenminister Shimon Peres warnte sein Land vor einer Verschlechterung des Verhältnisses zu den USA. Peres sagte der Zeitung "Bild am Sonntag", auch unter Freunden gäbe es Meinungsverschiedenheiten, diese solle man aber nicht dramatisieren. "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu den Vereinigten Staaten. Wir sollten es nicht gefährden." Die USA hatten am Freitag den Vorwurf von Israels Ministerpräsident Ariel Sharons barsch zurückgewiesen, sie betrieben auf Kosten Israels eine Beschwichtigungspolitik zu Gunsten arabischer Staaten. "Die Äußerungen des Ministerpräsidenten sind inakzeptabel", erklärte das Weiße Haus in Washington. Peres für differenzierte Sicht der Dinge Peres forderte eine differenzierte Sicht der Dinge: "Die USA haben ein kurzfristiges Ziel, Osama bin Laden der Gerechtigkeit zu überführen." Hierfür hätten die Amerikaner eine zeitlich befristete Koalition geschlossen, "bei der wir nicht dabei seien können". Allerdings gebe es auch eine langfristige Koalition der demokratischen Staaten "gegen die Plage des internationalen Terrors, und da ist das demokratische Israel selbstverständlich dabei". Sharon hatte zuvor die USA und den Westen gewarnt, ihr Bemühen um Unterstützung arabischer Staaten im Kampf gegen den Terrorismus auf Kosten Israels zu betreiben. Der Sprecher von US-Präsident George W. Bush, Ari Fleischer, sagte, Israel habe weltweit keinen stärkeren Freund und Verbündeten als die USA, und Bush sei ein besonderer Freund Israels. "Die USA tun nichts, um die Araber auf Kosten Israels zu beschwichtigen." (APA/dpa/AP)