Berlin - Als Konsequenz aus den Terroranschlägen in den USA könnten nach Angaben von Umweltminister Jürgen Trittin einige ältere Atomanlagen früher als geplant abgeschaltet werden. Diese Frage zu klären, sei Ziel der laufenden Sicherheitsanalyse, deren Ergebnis bis Mitte Oktober vorliegen soll, sagte Trittin am Wochenende in Berlin. Wegen des erhöhten Risikos müssen zudem die Planungen für einige Zwischenlager bei süddeutschen Reaktoren nachgebessert und dickere Betondecken vorgesehen werden. Trittin sagte, er wolle die nach den Terroranschlägen in Auftrag gegebene Analyse der Reaktorsicherheitskommission abwarten. Schon jetzt sei allerdings klar, dass keine der deutschen Atomanlagen gegen gezielte Angriffe mit Großflugzeugen geschützt seien. "Ob einzelne Anlagen beschleunigt (...) abgeschaltet werden, ist eine Frage, die wir klären müssen", sagte der Grünen-Politiker. Trittin hatte bereits erklärt, dass der Vertrag mit den Energiekonzernen über den Atomausstieg nicht nachverhandelt werden soll. Eine Abschaltung älterer Kraftwerke ist dem Atomkonsens zufolge möglich, wenn jüngere Reaktoren dafür länger laufen. Lager nicht sicher genug Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte gemeldet, die Planung für die Lager in Biblis, Philippsburg, Grafenrheinfeld, Ohu und Gundremmingen müssten nachgebessert werden, weil sie nicht sicher genug erschienen. An diesen Standorten waren den Angaben zufolge Lagerhallen mit 55 bis 85 Zentimeter dicken Betondecken vorgesehen. Nach den Terroranschlägen halte das Bundesamt für Strahlenschutz diese Dicke aber nicht mehr für ausreichend. An den norddeutschen Kraftwerksstandorten seien die Lager von vorneherein mit 1,20 bis 1,30 Meter dicken Decken geplant worden. Es sei "der Bevölkerung in Süddeutschland kaum zu erklären, warum sie schlechter gegen Flugzeugabstürze auf Zwischenlager geschützt werden soll als die Menschen im Norden", erklärte der Chef des Bundesamts, Wolfram König, nach Angaben des "Spiegels". Seiner Ansicht nach müssen sowohl die Betonhallen als auch die Lagerbehälter vom Typ Castor als "doppelte Barriere" jeweils ausreichenden Schutz vor Flugzeugabstürzen bieten. Mit den dezentralen Zwischenlagern will die Bundesregierung laut Atomkonsens einen Großteil der umstrittenen Atomtransporte vermeiden. Sie sind für Lagerzeiten von 20 bis 30 Jahren gedacht. Bereits genehmigt ist ein so genanntes Interimslager am Kraftwerk Philippsburg, in dem bis zur zur Fertigstellung des dortigen Zwischenlagers die Castoren auf dem Kraftwerksgelände aufbewahrt werden. (APA/AP)