Von seiner "Kunsthochschulenkunst" distanziert er sich heute, das gerade 30-jährige Berliner Kind Jonathan Meese , der sich damit seit einigen Jahren in sämtliche Kuratoren-Terminkalender einschrieb: Optisch ein Wiedergänger der Hippiegeneration, der in einer Art postpubertärem Jugendzimmer Trash-Idole der Sixties verewigte. Mittlerweile hat der Bursche, dessen Handschrift jedem Graphologen Angstschweiß auf die Stirn triebe, aufgerüstet Richtung eines Dinges, das er mit "Radikalität" umschreibt: Meese nähert sich in Performances, kruden Ecriture-automatique-Texten, Devotionalien-Vitrinen seinen "Göttern" Wagner, Rimbaud, Hagen von Tronje, Ernst Stroheim, de Sade. Wie sie will er "zweifelhaft" bleiben sowie versuchen, sich wie sein aktuell größtes Role-Model, Balthus, "aus der Kunstgeschichte herauszuschreiben". Derzeit schreibt er sich ganz gut hinein, mit neuen, nicht unbescheidenen Ölbildern. Der manisch-obsessive Charakter nimmt hier einen weiteren Anlauf und kippt ins vollends Chaotische, Kindische, Peinliche oder aber ins Monumentale, wie das Machwerk "Bauernopfer, Garde, Hagen (Schach dem einzigen Sargnagel, Schloß Moosham)" demonstriert. Meese, sich selbst auch als Berija mit Adidas-Leibchen porträtierend, ist nicht der übliche "witzige" Pop-Klau-Künstler. Da ist was Zweifelhaftes daran, und da muss er aufpassen, dass es bei diesem großen Talent nicht doch zum Markenzeichen wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8. 10. 2001)