Bern - Die Swissair hat die Hoffnung auf Erhaltung des Unternehmens in seiner alten Form aufgegeben. Konzernchef Mario Corti und die Gewerkschaften sicherten am Wochenende ihre Mitarbeit am Aufbau einer neuen Gesellschaft auf der Grundlage der von zwei Großbanken UBS und Credit Swiss übernommenen Swissair-Tochter Crossair zu.

Zugleich forderten sie, dass zwei Drittel der Swissair-Flugzeuge übernommen werden. Die Vertreter von Piloten, Flugbegleitern und Bodenpersonal wollen, dass am ursprünglichen Businessplan von Crossair und den beiden Großbanken festgehalten wird. Dieser sieht vor, dass die neue Airline je 26 Lang- und Kurzstreckenflugzeuge der Swissair übernehmen soll. Die Gewerkschaften befürchten aber, dass dieser Plan noch weiter zusammengestrichen werden könnte.

Härtefälle

Die UBS hat am Wochenende der Swissair weitere 55 Millionen Schweizer Franken (37 Mio. EURO/509 Mio. S) zur Verfügung gestellt. Damit sollen Härtefälle für Passagiere gemildert werden, sagte UBS-Präsident Marcel Ospel. Er kündigte zudem an, dass sich seine Bank aktiv um die Strukturierung und Finanzierung der Sozialpläne für Swissair kümmern werde. Ospel betonte, die UBS habe das Maximum geleistet, das sie gegenüber den eigenen Aktionären noch verantworten könne. Mittlerweile seien bereits 1,5 Mrd. Franken an die Luftlinie geflossen.

Probleme bekommen die beiden Swissair-Finanziers, UBS und Credit Swiss, an einer andren Front: Mehr als 60 Banken wollen beide Institute klagen, weil sie als Gläubiger im Vorfeld nicht über die Rettungsaktion für die Swissair konsultiert wurden.

Auch am Wochenende hat die Swissair nur 50 Prozent der üblichen Flüge durchgeführt. Ausschlaggebend dafür seien nach wie vor die begrenzten finanziellen Mittel sowie Probleme mit dem Gläubigerschutz im Ausland an. Schweizer Tageszeitungen berichteten, dass der von der Regierung zur Verfügung gestellte Überbrückungskredit von bis zu 450 Mio. Franken (303 Mio. Euro/4,17 Mrd. S) möglicherweise nicht bis zum Monatsende reicht. Zur Sicherung des Flugbetriebes seien bereits zwei Drittel der Summe überwiesen worden.

Swissair fliegt am Montag 180 Flüge, davon 47 Langstreckenflüge.

Der Leiter der Direktion Arbeit im Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft, Jean-Luc Nordmann, rechnet im Zuge der Swissair-Insolvenz mit 8000 Kündigungen. Die erste Kündigungswelle wird Ende Oktober erwartet, sagte er. Das Geld für einen Sozialplan sollte aus der Pensionskasse kommen.

Bei der Swissair direkt dürften 4000 Mitarbeiter entlassen werden, weitere 4000 Stellen entfallen auf die flugverwandten Bereiche, Zulieferfirmen und den Frachtbereich, sagte Nordmann. Dies gelte aber nur unter der Voraussetzung, dass die Swissair bis zum 28. Oktober weiterfliege und dann in das Fluggeschäft der Crossair übergehe.

"Wir erwarten die erste Kündigungswelle Ende Oktober und eine weitere im November", sagte er. Über einen Sozialplan werde derzeit diskutiert, es sei aber nicht Sache des Staates, ihn zu finanzieren, betonte Nordmann. "Wir sind mit der Swissair im Gespräch über die Bereitstellung eines Sozialplanes." Das Geld dafür müsste aus der Pensionskasse kommen. "Es sind auf alle Fälle gewisse Reserven vorhanden, wie die Swissair uns versichert hat, aber sicherlich keine zwei Milliarden Franken", sagte Nordmann. Falls die ausstehenden Löhne nicht bezahlt werden könnten, gebe es die Möglichkeit der Insolvenzentschädigung aus der Arbeitslosenversicherung. Swissair-Frachttöchter beantragen Gläubigerschutz

Die beiden Frachttöchter der Swissair Group Swisscargo AG und Cargologic AG, haben am Freitag Gläubigerschutz beim Bezirksgericht in Bülach beantragt. Dies berichtete die Muttergesellschaft am Montag. (APA/cr, Der Standard, Printausgabe, 08.10.2001)