Wien - Seine dürren, ausgemergelten Gestalten gehen niemandem aus dem Kopf, der sie gesehen hat. Sie zählen zu den Ikonen der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Am Mittwoch (10. Oktober), wird der 100. Geburtstag des Schweizer Bildhauers, Malers und Zeichners Alberto Giacometti gefeiert. Am gleichen Tag wird im Museum of Modern Art in New York eine umfassende Ausstellung eröffnet, die mit 90 Skulpturen, 40 Gemälden und 60 Zeichnungen einen repräsentativen Überblick über Giacomettis Lebenswerk bietet. "Gewiss mache ich Bilder und Plastiken, und das seit jeher, seit ich zum erstenmal gezeichnet und gemalt habe, um die Wirklichkeit zu fassen zu kriegen, um mich zu verteidigen, um mich zu nähren und zu wachsen". (Giacometti, 1953) Atelier mit Bruder Diego in Paris Der in Stampa im Kanton Graubünden geborene älteste Sohn eines spät-impressionistischen Malers kam früh zur Kunst und modellierte schon mit 13 Jahren seine erste Plastik. Nach einer Studienreise durch Italien ging Giacometti nach Paris, wo er bis zu seinem Lebensende blieb und mit seinem Bruder Diego in einem gemeinsamen Atelier arbeitete. Ende der 20er Jahre schloß sich Giacometti dem Kubismus an, von 1930 an wurde er der wichtigste Vertreter einer surrealistischen Bildhauerei. Er schuf totenähnlich reduzierte Gestalten und Konstrukte zu traumhaften Themen. Skulpturen, wie flüchtige Visionen Weltweite Anerkennung erfuhr Giacometti, der zeitlebens ein Einzelgänger blieb, jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinen überlangen, ausgemergelten Gestalten brachte er wie kaum ein anderer die Philosophie des Existentialismus fast schicksalshaft zum Ausdruck. Seine Plastiken erscheinen ohne Volumen und raumlos. Sie wirken mehr wie flüchtige Visionen. Jean-Paul Sartre, der wie Samuel Beckett und Jean Genet zum Freundeskreis Giacomettis zählte, nannte die Werke einmal "Figuren aus dem Staub des Raumes". "Kunst gehobener Clochards Am 11. Jänner 1966 starb Giacometti in Chur. Sein Werk hat seither an Bedeutung ständig zugenommen. "Die Kunst Giacomettis ist keine soziale Kunst, er stellt kein soziales Band zwischen den Dingen her", schrieb der Dichter Jean Genet, "es ist eher eine Kunst gehobener Clochards, die bis zu einem solchen Grad rein sind, dass sie das Wissen um die Einsamkeit jedes Wesens und jedes Dinges vereint. (APA/dpa)