Wien - Die heimischen Gewerbe-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe haben in den vergangenen drei Monaten "deutliche Einbrüche" hinter sich "und wir erwarten, dass im 4. Quartal noch einiges auf uns zukommt". Dies erklärte Georg Toifl, Gewerbe-Sektionsobmann, am Montag in Wien. Neben einem Nachlassen der privaten Ausgaben und der sich weiter verschlimmernden Situation in der Bauwirtschaft fürchten die Gewerbe- und Handwerksbetriebe die Auswirkungen von Terror und Krieg. 1991 habe der Golfkrieg die österreichische Wirtschaft acht Monate in Mitleidenschaft gezogen, erinnerte Toifl. Schon in den vergangenen drei Monaten hat sich das vom Institut für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH) vierteljährlich erhobene Konjunkturbarometer klar verschlechtert und ist auf den seit vier Jahren schlechtesten Wert gesunken. Die um elf Prozent gesunkenen Auftragsbestände befinden sich auf dem niedrigsten Stand seit 1994. Weiter rückläufig sind die öffentlichen Aufträge - am drastischsten im Burgenland, wo sie sich gegenüber dem 3. Quartal des vergangenen Jahres halbiert haben. Konjunkturbelebung hat "abruptes Ende" gefunden Im konsumnahen Bereich habe die seit 1997 feststellbare Konjunkturbelebung ein "abruptes Ende" gefunden, sagte IfGH-Experte Walter Bornett. Nach einigen guten Jahren mit hohen Neuzulassungen sind derzeit die Kfz-Mechaniker besonders in Mitleidenschaft gezogen. Als Hauptfaktor für die sich eintrübende Konjunktur in diesem Bereich macht Bornett seit etwa Jahresmitte geringere Ausgaben der Privathaushalte aus. Auch im Fremdenverkehr könnte es auf Grund der politischen Situation zu Rückgängen - namentlich im Städtetourismus - kommen. Bei den Investitionsgüter nahen Branchen sind das Bau- und das Baunebengewerbe sowie alle an die Bauwirtschaft liefernden Branchen besonders betroffen. Der Auftragsbestand im Baugewerbe ist im 3. Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um knapp 3 Prozent zurückgegangen. Wegen der zurückgehenden Infrastrukturinvestitionen der öffentlichen Hand drängten die großen industriellen Baubetriebe zunehmend auf Märkte, die sie bisher nie interessiert hätten - beispielsweise in den Dachbodenausbau oder in die Fassadenrenovierung: "Aufträge um die 3 oder 4 Mill. S (rund 218.000 oder 290.700 Euro) haben die Bauindustrieunternehmen früher nie interessiert." Noch kein Abbau von Arbeitsplätzen Zu einem Abbau von Arbeitsplätzen sei es freilich bisher noch nicht gekommen, hieß es. Schon vor den Anschlägen des 11. September haben die befragten Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen die Entwicklung im 4. Quartal negativ beurteilt: Sowohl in den von den Investitionen als auch den vom Privatkonsum abhängigen Branchen geht die Anzahl der Optimisten zurück, steigt die Zahl jener, die mit rückläufigen Aufträgen rechnen. Dabei sei die wirtschaftliche Standfestigkeit der meisten Betriebe so schlecht, "dass schon ein kleines Lüftchen viele Betriebe extistenziell gefährdet", sagte Bornett. Bei einer durchschnittlichen Umsatzrendite von 2 Prozent lägen nach Abzug von Steuern und Inflation die Gewinne "bei Null oder darunter", so Bornett. Unterdessen ist es per Anfang Oktober im Management der Bundessektion Gewerbe, Handwerk und Dienstleistungen zu einem Generationswechsel gekommen: Der bisherige stellvertretende Geschäftsführer Helmut Heindl folgte dem langjährigen Syndikus Hans Leitner. (APA)