Wien - Über die drei mehrheitlich im Besitz der staatlichen Pleitenholding GBI stehenden Unternehmen Assmann Ladenbau, ATB Antriebstechnik sowie dem Strickwarenerzeuger Ergee könnte heute, Montag, eine Privatisierungsentscheidung fallen. Gehandelt werden sowohl Einzelverkäufe als auch eine Paketlösung. Die zur Zeit betreuten drei Unternehmen befinden sich laut GBI in "unterschiedlichen Stadien der vorgesehenen Sanierungs- bzw. Wachstumsphase". Für die ATB im steirischen Spielberg gibt es dem Vernehmen nach mehrere Interessenten, für Ergee und Assmann soll es je zwei potenzielle Übernahmewerber geben. Bei der GBI gab man sich vorerst zugeknöpft: Geschäftsführer Johann Moser befand sich in Verhandlungen und war vorderhand für keine Stellungnahme zu erreichen. Die Gespräche dürften den ganzen Tag dauern. Nach Auskunft eines GBI-Mitarbeiters sei ein Ergebnis der Privatisierungsgespräche für den heutigen Tag "nicht zwingend". Die GBI hält an der steirischen Assmann Ladenbau Leibnitz GmbH 74,9 Prozent, an der niederösterreichischen Ergee Textilgruppe GmbH Schrems 99,9 Prozent. Bei der Austria Antriebstechnik AG im obersteirischen Spielberg existiert eine komplizierte Beteiligungsform: An der deutschen ATB-Antriebstechnik GmbH Welzheim hält die GBI 93,34 Prozent, diese wiederum besitzt 55,15 Prozent an der ATB in Spielberg. Am steirischen Unternehmen ATB hält die GBI darüber hinaus noch direkt 13,72 Prozent. Assmann Ladenbau in "Wachstumsphase"

Die Assmann Ladenbau Leibnitz befindet sich laut der "Gesellschaft des Bundes für Industriepolitische Maßnahmen" (GBI) in der "Wachstumsphase". Im abgelaufenen Geschäftsjahr seien die "ersten Maßnahmen zur Sicherung des Standortes über das Engagement der GBI hinaus" getroffen worden. Neben der Beteiligung der Arbeitnehmer an den Erträgen der Gesellschaft eröffne der GBI zu Folge die "gewählte Stiftungslösung auch eine stärkere gesellschaftsrechtliche Mitbestimmung der Arbeitnehmer". Assmann hatte in den vergangenen Jahren stetig sowohl den Umsatz verbessert als auch Mitarbeiter eingestellt. In der Gruppe - die Assmann hat Tochtergesellschaften in Prag und Warschau - setzte man 2000 mit 511 Mitarbeitern 690,1 Mill. S (50,15 Mill. Euro) um. Als Übernahmeinteressent gilt die Umdasch-Gruppe.

In der ATB-Gruppe war das abgelaufene Jahr geprägt durch die eingeleitete gesellschaftsrechtliche Neuausrichtung der Gruppe. Dazu wurde den Kleinaktionären der ATB-Antriebstechnik AG Welzheim ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreitet. Ziel der Umstrukturierung ist neben der besseren Führbarkeit die Schaffung einer attraktiven börsennotierenden Gesellschaft. Für den Motorenhersteller ATB interessieren sich die italienische Lafert-Gruppe zusammen mit Hannes Androsch, die Venture-Gruppe "Global Equity Players" (GEP) sowie der Salzburger Maschinenbauer Emco. Die ATB erwirtschaftete zusammen mit der ATB Welzheim 2000 rund 2,39 Mrd. S (174 Mill. Euro).

Für die Ergee-Gruppe, deren Stammfirma in Schrems heuer das hundertjährige Bestehen feiert, soll es mit dem deutschen Vatter-Konzern im bayrischen Schongau und der GEP zwei Bieter geben. Konzernchef Vatter hatte bereits 1997 mit der Edoo in Wels einen heimischen Strumpfhersteller erworben. Die Veräußerung der Ergee-Gruppe, die auch in Tschechien produziert sowie Tochterfirmen in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und der Slowakei hat, gilt als der schwierigste Verkaufsfall der GBI. (APA)