Wien - Die Leitung des Österreichischen Institutes für Wirtschaftsforschung (Wifo) kritisiert, dass FPÖ-Wirtschaftssprecher Thomas Prinzhorn mit seiner gestrigen Pressekonferenz die Evaluierung der drei heimischen Wirtschaftsforschungsinstitute durch ein dreiköpfiges internationales Kollegium präjudiziert habe. "Wir sind dafür, die Ergebnisse der Evaluierung abzuwarten und dann Schlüsse zu ziehen", heißt es in einer Stellungnahme des Wifo. Erste Ergebnisse sollen Ende Oktober vorlegen, ein Endbericht Ende 2001. Prinzhorn vertrat gestern die Ansicht, dass ein öffentlich finanziertes Wirtschaftsforschungsinstitut in Österreich genügen würde, zu dem private Institute in Konkurrenz treten sollten. Sollte dies realisiert werden, würde der Wettbewerb zwischen dem einen öffentlich finanzierten Institut und den privat finanzierten Instituten durch unterschiedliche Kosten verzerrt, meint die Wifo-Leitung. Auch wäre ein einziges Institut einer möglichen politischen Einflussnahme mit hoher Wahrscheinlichkeit stärker ausgesetzt als drei voneinander unabhängige Institute (neben dem Wifo gibt es derzeit das Institut für Höhere Studien/IHS, die beide die quartalsweisen Konjunkturprognosen erstellen, und das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche/WIIW). Nicht nachvollziehbar Als nicht nachvollziehbar bezeichnet das Wifo den von Prinzhorn genannten Kostenvergleich mit dem Ifo-Institut München. In Österreich seien die Kosten der Wirtschaftsforschung für öffentliche Haushalte keineswegs höher als jene des Ifo in Deutschland, obwohl zumindest das Wifo mehr öffentliche Aufgaben ohne Auftrag wahrzunehmen habe als das Ifo. Das Wifo habe mit dem Ifo mehrfach erfolgreich um EU-Aufträge konkurriert und habe weit niedrigere Kosten als private Consultingunternehmen. Im Jahr 2000 habe das deutsche Ifo-Institut öffentliche Zuwendungen in Höhe von 9,057 Mill. Euro erhalten, das Wifo in Höhe von 5,681 Mill. Euro (78,172 Mill. S) Die drei österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitute haben größtenteils unterschiedliche Aufgaben und Schwerpunkte, so das Wifo. Überlappungen gebe es nur in sehr kleinen Segmenten. "In Österreich gibt es nicht zu viel Wirtschaftsforschung, sondern zu wenig, sodass wichtige wirtschafts- und sozialpolitische Entscheidungen immer wieder ohne vorherige Analyse getroffen werden", stellt das Wifo fest. (In Deutschland gibt es sechs bundesweit tätige Wirtschaftsforschungsinstitute und weit mehr regionale, Anm.) Unabhängigkeit des Wifo nicht beschränken Dass im Vorstand des Wifo Repräsentanten wirtschaftspolitischer Institutionen einschließlich der Bundesregierung vertreten seien, gewährleiste, dass sich die Forschungsarbeit mit konkreten Problemen der Wirtschaftspolitik beschäftige. Die Unabhängigkeit des Wifo sollte daher auch unter dem Titel "Entpolitisierung" nicht in die Tagespolitik gezogen werden. Keineswegs nachvollziehen kann das Wifo die bei der Prinzhorn-Pressekonferenz angesprochene "Rangliste der European Economic Review". Diese beziehe sich auf die Publikationstätigkeit von 200 europäischen wirtschaftswissenschaftlichen Instituten in Journalen der akademischen Grundlagenforschung. In solchen Zeitschriften zu publizieren zähle nicht zu den primären Aufgaben des Wifo oder ähnlicher empirischer Wirtschaftsforschungsinstitute. Es sei daher nicht überraschend, dass praktisch keines der mit dem Wifo vergleichbaren internationale Institute in diesem Ranking vertreten sei. Das Ifo-Institut liege nicht "an der Spitze", sondern komme in dem Ranking überhaupt nicht vor. (APA)