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Wien - Fast alle haben eines, und benützt wird es bei jeder Gelegenheit - letzteres macht dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) wieder einmal Kopfschmerzen - schließlich gilt das Handy nicht nur als schick, sondern auch als "Konzentrationskiller Nummer Eins", wenn es am Steuer zum Einsatz kommt. Die Folge: "Wir registrieren zunehmend Unfälle auf Schutzwegen", erklärte heute, Dienstag, KfV-Direktor Othmar Thann, der dafür bei einer Pressekonferenz in Wien u.a. die Ablenkung durch Mobiltelefone verantwortlich machte. Kaum Freisprecheinrichtungen Die nüchternen Zahlen sehen beeindruckend aus: 83 Prozent der rot-weiß-roten Autofahrer besitzen ein Handy, bei mehr als zwei Drittel ist es mit an Bord, und benutzt wird es am Steuer von 55 Prozent. Davon wiederum klemmt rund die Hälfte das technische Wunderwerk lieber zwischen Ohr und alle möglichen Körperteile, statt eine Freisprecheinrichtung zu verwenden. Verboten Dass dies seit 1. Juli 1999 verboten ist, scheint kaum jemand zu kümmern. Was auch daran liegen könnte, dass die Polizei anderes zu tun hat: "Das ist bei der Exekutive Priorität Nummer 192 bei den Tätigkeiten", gab sich Thann keinen Illusionen hin. Abhilfe könnte er sich dadurch vorstellen, dass "Sünder" nicht wie derzeit vorgeschrieben zur Bestrafung angehalten werden müssen. Zudem wäre zu überlegen, ob auch Nicht-Polizisten analog zur Parkraumüberwachung einzusetzen wären. Zehnfacher Preis Thann appellierte zudem an die Industrie, sich den Kopf über die Schnittstelle Mensch-Maschine zu zerbrechen, damit die Verkehrssicherheit nicht darunter leidet. Zu beklagen sei der Umstand, dass Freisprecheinrichtung und Einbau das zehnfache eines Handys kosten, so der KfV-Direktor, der aber auch den Nutzen eines Mobiltelefons an Bord zu schätzen weiß. Schließlich lässt sich im Notfall so viel schneller Hilfe herbeiholen. Konrad Paul Liessmann, Philosoph von der Universität Wien, ging das Problem ganz aus der Sicht seiner Profession an: "Wir halten uns alle für Weltmeister im Bewältigen simultaner Reizsituationen." Zudem seien wir dem "Kommunikationsimperativ" unterworfen, dem Zwang der dauernden Erreichbarkeit. (APA)