Wien – Mit der heutigen Entscheidung des Wiener Oberlandesgerichtes (OLG), dem Antrag der italienischen Behörden auf Auslieferung des ehemaligen Südtiroler Politikers Peter Paul Rainer stattzugeben, dürfte das "Intermezzo" dieser spektakulären Causa auf österreichischem Boden beendet sein. Im Folgenden eine Chronologie des Falles:

15. Februar 1997: Der freiheitliche Südtiroler Politiker Christian Waldner wird am Reichrieglerhof in Bozen ermordet.

17. Februar 1997: Beamte der Polizei-Sondereinheit "Digos" finden am Tatort die Leiche Waldners.

21. Februar 1997: Peter Paul Rainer, ein Parteifreund Waldners, gesteht den Mord an Waldner und wird verhaftet.

4. März 1997: Rainer wiederholt sein Geständnis vor laufender Fernsehkamera.

8. Juli 1997: Bei Beginn des Prozesses im Mordfall Waldner in Bozen widerruft Rainer – wie zuvor angekündigt – sein Geständnis.

11. August 1997: Rainer wird vom Schwurgericht in Bozen zu 22 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

29. Juni 1998: Am Oberlandesgericht von Trient (Norditalien) beginnt der Berufungsprozess.

2. Dezember 1998: Der Senat des Schwurgerichts von Trient spricht Rainer frei. Er verlässt das Gefängnis als freier Mann.

29. November 1999: Das Kassationsgericht annulliert den Freispruch Rainers. Das Verfahren muss in Brescia (Norditalien) neu aufgerollt werden.

Frühjahr 2000: Rainer wartet im Allgäu (Deutschland) auf den Prozess in Brescia. In einem Interview sagt er laut der Südtiroler Tageszeitung "Dolomiten", er habe den Mord an Waldner seinerzeit gestanden, weil er sich für ein politisches Ziel "geopfert" habe.

20. Mai 2000: Das Berufungsgericht in Brescia spricht Rainer in Abwesenheit erneut wegen des Mordes an Waldner schuldig und verurteilt ihn zu 20 Jahren und sechs Monaten Haft. An die Hinterbliebenen habe er außerdem 300 Millionen Lire (154.937 Euro/2,13 Mill. S) Schadenersatz zu zahlen. Rainer wird seit diesem Zeitpunkt per internationalem Haftbefehl gesucht.

3. Jänner 2001: Die Spur des Flüchtigen führt nach Wien. Ein Sonderkommando nimmt Rainer um 22.45 Uhr in einer Wohnung in der Krebsengartengasse in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus fest. Rainer sitzt seither in Auslieferungshaft.

9. Oktober 2001: Das Oberlandesgericht Wien entscheidet, die Auslieferung Rainers nach Italien sei zulässig. Ein "sofortiger Beweis der völligen Unmöglichkeit der Täterschaft" liege nicht vor, lautet die Begründung. Damit fehlt eine rechtliche Grundlage, dem Antrag der italienischen Behörden entgegen zu treten. Sollte nicht Justizminister Dieter Böhmdorfer (FP) dem früheren freiheitlichen Südtiroler Politiker noch eine Art "Asylrecht" gewähren, wird Rainer schon demnächst nach Italien zurückkehren. (APA)