London - Wissenschaftler der Queen Mary’s School of Medicine haben laut BBC um die Erlaubnis zur Exhumierung von zehn Londonern angesucht, die 1918 an der spanischen Grippe gestorben sind. Das Team um John Oxford will auf diesem Weg die genetische Beschaffenheit eines der tödlichsten bekannten Viren entschlüsseln. Im Winter 1918/1919 starben rund 40 Millionen Menschen an der spanischen Grippe. Die sterblichen Überreste der Grippe-Opfer wurden in Bleisärgen begraben. Oxford geht daher davon aus, dass die Körper so gut konserviert sein werden, dass das Virus extrahiert werden kann. Verfahren der Molekularbiologie sollen in der Folge erlauben, das Virus wiederherzustellen oder zumindest seinen genetischen Aufbau zu studieren. Es wird nicht erwartet, ein intaktes Virus zu finden. Auf jeden Fall sollte es jedoch eindeutige Spuren in den Lungen der Verstorbenen hinterlassen haben. Dieses Projekt ist der letzte Schritt einer weltweiten Suche nach den Ursachen der großen Grippe-Epidemie zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Vor zwei Jahren versuchte ein anderes Wissenschaftlerteam auf Spitzbergen das Virus aus den Körpern von Minenarbeitern zu gewinnen. Trotz des herrschenden Dauerfrostes zeigte sich, dass die sterblichen Überreste weniger gut erhalten waren als erwartet. Das Studium von Fragmenten des gefährlichen Typ A Stammes soll Experten dabei helfen, sich auf neue Ausbrüche vorzubereiten. Beim letzten Ausbruch in Großbritannien starben 20.000 vor allem ältere Menschen. (pte)