Wien - Was wäre die Technologiebranche ohne Hang zur Theatralik: Eben erst forderte der Spezialist für Server, Sun Microsystems, mit einer neuen Maschine namens "Starcat" den eindeutigen Platzhirsch der IT-Branche IBM zum Zweikampf. Knapp zwei Wochen später nimmt IBM die Herausforderung an und präsentiert "Regatta", einen Server mit dem prosaischen Seriennamen pSeries 690. Die Kampfstrategie der beiden Konkurrenten um das Geschäft mit den lukrativen Hochleistungsrechnern für Unternehmensaufgaben besteht darin, jeweils in das Territorium des Konkurrenten einzudringen. Suns Spezialität sind Server, jene Geräte die vor allem PC-Netze und Internetdienste versorgen. Starcat versucht jetzt mit seinen Rechenkünsten in das traditionellen IBM-Revier von Mainframes einzudringen, den Rechnern, die in Großunternehmen für die Abarbeitung rechenintensiver Aufgaben sorgen. IBMs Regatta wiederum geht den umgekehrten Weg: Die Maschine ist ein Server mit einem starken Mainframe-Erbe. Das bedeutet, dass es ein möglichst breites Leistungsspektrum anbietet, um sowohl die Rechenaufgaben von Unternehmen erledigen wie auch Netze versorgen zu können. Selbstheilender Computer So wie der menschelnde Computer HAL in Stanley Kubriks Filmepos "2001" sollen Computer künftig ihre Schwächen selbst erkennen und idealerweise auch selbst heilen, zumindest aber die sie wartenden Menschen von ihrer Pflegebedürftigkeit rechtzeitig in Kenntnis setzen. Dieses "eLiza" genannte Projekt stellte IBM zusammen mit dem neuen Server vor. Ein unabhängiger eigener Rechner im Rechner verfolgt mithlfe von 15.000 Sensoren das Geschehen, erkennt Fehler, forscht ihren Auswirkungen nach und dirigiert die internen Vorgänge des Rechners so um, dass die Arbeit weitergehen kann. Erst in letzter Instanz ruft das System um menschliche Hilfe, allerdings noch bevor es zu Ausfällen kommt. Das Service kann dann zu Zeiten stattfinden, die dem Kunden entgegenkommen (zum Beispiel dann, wenn weniger los ist) und nicht erst, wenn das System zusammengebrochen ist, erklärt Christian Peter von IBM Österreich. (spu, DER STANDARD, Printausgabe 10.10.2001)