Augsburg - Vor dem Hintergrund eines harten Kampfes um schrumpfende Märkte und nach den Anschlägen vom 11. September weiter nach unten revidierten Prognosen ist die Zeit der sonst üblichen vornehmen Zurückhaltung gegenüber "Mitbewerbern" genannten Konkurrenten vorbei. Erst vor zwei Tagen sah PC-Wunderkind Michael Dell, der sich über einen heftigen Preiskrieg an die Spitze der weltweiten PC-Hitparade setzte, den Konkurrenten Fujitsu Siemens Computer (FSC) als künftigen Kollateralschaden des Kampfs um einen kleineren Kuchen. Mittwoch konterte FSC-Chef Paul Stodden. "Dell ist ein amerikanischer Manager, also hat er ein großes Ego. Er ist Texaner, also hat er eine große Klappe. Wir werden es herausfinden, der Markt wird entscheiden." Fujitsu Siemens ließ seinerseits keinen Zweifel daran, von den Schwierigkeiten anderer Konkurrenten, nämlich von der bevorstehenden Fusion von HP und Compaq, profitieren zu wollen. Nicht zuletzt kann FSC auf eigene leidvolle Erfahrungen zurückblicken, nachdem das Unternehmen 1999 aus den Computerbereichen von Siemens und Fujitsu hervorging. "Hälfte aller Fusionen scheitern" "Die Hälfte aller Fusionen scheitern. Und bei Fusionen ist eins und eins nicht zwei, sondern eher 1,5", sagt FSC-Manager Bernd Bischoff, was in Hinblick auf die HP-Compaq-Fusion etwa drei bis vier Mrd. EURO an Anteilen für Konkurrenten freimachen würde. Das erste Halbjahr 2001/02 lag mit einem Umsatz von 2,5 Mrd. EURO rund 20 Prozent unter den Erwartungen von FSC, aber einem hauchdünnen Gewinn vor Steuern von drei Mio. EURO noch im schwarzen Bereich. Damit würde FSC über den Erwartungen seines Dreijahresplans nach seiner eigenen Fusion liegen. Prognosen wollte Stodden keine abgeben, außer dass im Computermarkt "die Zeiten zweistelligen Wachstums vorbei sind". Dennoch will FSC über dem Markt zweistellig wachsen. Dazu soll eine Verschiebung vom wenig aussichtsreichen PC-Massenmarkt hin zum profitableren Unternehmensmarkt mit Großrechnern und Services beitragen. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe 11.10.2001)