Als "letzte Evolutionsstufe" der Maßnahmen zur Unfallvorbeugung präsentierte Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker (S) im Rahmen einer Pressekonferenz das "View-Point-System". Die vom Ludwig-Boltzmann-Institut für Unfallforschung entwickelte Methode erfasst mittels Brille, Kamera und Computer das Blickverhaltens von Verkehrsteilnehmern und spürt so menschliches Fehlverhalten und Leistungsgrenzen auf. Die Erkenntnisse sollen künftig bei straßenbaulichen und verkehrstechnischen Maßnahmen zum Einsatz kommen. "Unfallverhütungsmethode" Die neue "Unfallverhütungsmethode" soll in Wien gleich bei mehreren Verkehrsprojekten Anwendung finden: zum Beispiel bei kritischen Punkten des Radwegs am Wiener Ring oder bei der Schulwegsicherung. Den Erkenntnissen sollen bauliche Maßnahmen folgen. "Oft genügt es, einen Blumentopf zu verrücken, damit man besser in eine Kreuzung einsehen kann", so Schicker. Aber auch bei großen Bauvorhaben soll das System im Vorhinein potenzielle Unfallquellen aufspüren. Innovative Software Finanziert wurde die rund eine Million Schilling (72.673 Mill. Euro) teure Entwicklung durch das Ludwig-Boltzmann-Institut "in Eigenregie", wie der Leiter des Instituts, Univ.-Prof. Ernst Pfleger betonte. Zur Anwendung des View-Point-Systems benötigt man eine Tragebrille mit installierter Kamera, die genau auf die Pupille gerichtet ist und die Augenbewegungen festhält, eine weitere Kamera, die das Gesichtsfeld aufzeichnet, und einen Computer. Die eigentliche Innovation, die auch zum Patent angemeldet wurde, besteht in einer ausgeklügelten Software, die höchste Genauigkeit und das spezielle Auswerteverfahren ermöglicht. Überforderung und menschliche Leistungsgrenzen können definiert werden Das Ergebnis einer View-Point-Untersuchung ist ein Blickdiagramm bzw. eine Blickstatistik, die Auskunft darüber gibt, wie lange ein Verkehrsteilnehmer welches Objekt - zum Beispiel den Gegenverkehr, eine Ampel oder einen Fußgänger - fixiert hat und von welchen Elementen er abgelenkt wurde. Die Aufnahme des Lidschlags gibt zudem Auskunft über den Stresspegel der Versuchsperson. "Damit sind wir erstmals in der Lage, Überforderung und menschliche Leistungsgrenzen zu definieren", sagte Pfleger. Stolz ist der Verkehrsstadtrat auf die Entwicklung der Unfallstatistik der Stadt Wien. Im Jahr 2000 habe man mit 34 Personen die geringste Zahl an Unfalltoten der vergangenen 17 Jahre verzeichnet, um mehr als ein Drittel sei die Zahl der Verletzten bei Unfällen in diesem Zeitraum zurückgegangen, so Schicker.(apa)