Big Creek/Guatemala-Stadt - Durch den als extrem gefährlich eingestuften Hurrikan "Iris" sind in den zentralamerikanischen Ländern Belize und Guatemala mindestens 22 Menschen getötet worden, unter ihnen 18 US-Bürger. Allein in Belize wurden 20 Leichen geborgen, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. 220 Stundenkilometern In dem Wirbelsturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 220 Stundenkilometern verschwanden ganze Dörfer von der Landkarte. Rund 13.000 Häuser in 23 Gemeinden wurden beschädigt oder zerstört. Zwei Menschen kamen im Norden von Guatemala ums Leben: Ein Mann wurde von einem umstürzenden Baum zerquetscht, eine Frau erlitt einen Herzinfarkt, als sie sah, wie ihr Haus zerstört wurde. Es wurde erwartet, dass die Zahl der Opfer weiter steigen. Touristen Die meisten Opfer in Belize waren Mitglieder eines Tauchklubs in den USA, die eine Yacht für eine einwöchige Karibikreise gechartert hatten. Das Schiff war am Montagabend in dem Wirbelsturm vor der Küste gekentert. Acht der insgesamt 28 US-Bürger an Bord der "Wave Dancer" konnten nach Angaben des Bürgermeisters der Kleinstadt Big Creek gerettet werden. Regierung beklagt Leichtsinn Zwei Tage nachdem der Sturm die Küste des Landes heimgesucht hatte prangerte am Mittwoch eine Sprecherin des Außenministeriums in Belmopan noch einmal das Verhalten einer Gruppe von Touristen aus den USA an. Sie hätten alle Warnungen, sich aus einem Ausflugsboot in Sicherheit zu bringen, in den Wind geschlagen. Insgesamt kamen durch den Wirbelsturm rund 30 Menschen um. Das Ausflugsboot "Wave Dancer" kreuzte am Montag mit 28 Menschen an Bord vor der Küste von Sand Creek. Der Dorfbürgermeister des Nachbarortes habe dreimal persönlich an die Passagiere appelliert, sofort an Land zu kommen und sich in Sicherheit zu bringen. Die aus Richmond (US-Bundesstaat Virginia) stammenden Touristen hätten geantwortet, sie wollten einmal "den Nervenkitzel eines Hurrikans" live erleben. 16 Touristen und zwei Besatzungsmitglieder der "Wave Dancer" wurden inzwischen tot geborgen. Acht Menschen hätten sich retten können, zwei würden noch vermisst und seien vermutlich ebenfalls tot, sagte Lock. Sie bekräftigte, dass die Passagiere der "Wave Dancer" die einzigen Touristen seien, die durch den Hurrikan in Belize zu Schaden kamen. "Alle anderen folgten den Anweisungen und begaben sich landeinwärts. Inzwischen konnten sie schon wieder in ihre Hotels zurückkehren und ihren Urlaub fortsetzen", sagte Lock. 80.000 Menschen evakuiert In den am schwersten betroffenen Gebieten waren zuvor vorsorglich 80.000 Menschen evakuiert worden, fast ein Viertel der Bevölkerung. Viele Haushalte waren am Mittwoch weiterhin ohne Strom, Wasser und Telefonverbindungen. Nach Angaben des Katastrophenschutzes wurden in Belize 8.000 Menschen durch den Hurrikan obdachlos. Bäume wurden entwurzelt, Strommasten umgeknickt, Brücken und Landwirtschaftsflächen zerstört. Im Nachbarland Guatemala gab es mindestens 15 Verletzte. Mehr als 800 Häuser stürzten zusammen. Dutzende von Schulen und Gemeindezentren wurden zerstört, insbesondere im ärmlichen Departamento Peten. 1.700 Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf. Viele fanden Zuflucht in Kirchen. Die Hilfslieferungen kamen nur langsam in Gang. Hurrikan "Iris" Der Hurrikan war am Dienstag auf seinem Weg nach Mexiko zu einem tropischen Sturm herabgestuft worden. Am Samstag waren durch "Iris" in der Dominikanischen Republik drei Menschen ums Leben gekommen. Auch in El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Mexiko gab es Sturmwarnungen. Belize war seit mehreren Jahren von Wirbelstürmen weitgehend verschont geblieben, auch vom Hurrikan Mitch, der im Oktober 1998 insbesondere Honduras und Nicaragua heimsuchte. Amtlichen Angaben zufolge beläuft sich die Zahl der damals getöteten oder vermissten Menschen auf etwa 20.000. (APA)