Im Jahr 2001 feiert die Frauenberatung Wien ihr 20-jähriges Bestandsjubiläum. Den Werdegang der inzwischen zur Institution gewordenen Einrichtung können Sie hier nachlesen: Der Großteil der Gründerinnen lernten sich einander 1978 bei einer Gesprächstherapieausbildung kennen. Die Fachfrauen aus psycho-sozialen Berufsfeldern waren zu diesem Zeitpunkt an gemischtgeschlechtlichen Institutionen tätig und kamen überein, dass die dort ratsuchenden Frauen meist nur in Teilaspekten ihrer Existenz wahrgenommen wurden – als Mutter, als Ehefrau, als Kranke etc. Außerdem waren sich die Teilnehmerinnen einig, dass psychische und soziale Probleme von Frauen mit ihrer gesellschaftlichen Benachteiligung und mit Gewalterfahrungen zusammenhängen. Während die meisten ratsuchenden Frauen ihre Probleme als persönliches Versagen und Schuld einschätzen, können für Gewalterfahrungen, viele Beziehungsprobleme, berufliche Schwierigkeiten, Probleme mit den Kindern und finanzielle Notlagen sehr wohl das gesellschaftliche Ungleichgewicht der Geschlechter mitverantwortlich gemacht werden. Beflügelt von diesem zum damaligen Zeitpunkt revolutionären Behandlungsansatzes gründeten die Frauen 1978 als ersten Schritt den Verein „Frauen beraten Frauen“. Im Herbst 1981 wurde schließlich mit Unterstützung von Johanna Dohnal in Ottakring die erste Wiener Frauenberatungsstelle des Vereins gegründet, in dem die Mitarbeiterinnen anfangs meist ehrenamtlich dazu beitrugen, die psycho-soziale Situation von Frauen zu verbessern. Mit dem Credo „Das persönliche ist politisch“ setzten sie ihren ganzheitliche Behandlungsansatz in die Tat um. Inzwischen werden vom Trägerinnenverein, der nicht parteipolitisch und konfessionell gebunden ist, zwei zentral gelegene Beratungsstellen für Frauen sowie das Institut für frauenspezifische Sozialforschung betrieben. Als Einrichtung für Frauen aus allen Schichten und allen Altersgruppen wird der Verein heute vor allem durch die Gemeinde Wien, dem BMSG, durch EU-Projekte, verschiedene Fonds sowie private SponsorInnen finanziert. Ratsuchenden Frauen stehen nun insgesamt 13 Fachfrauen mit ihren Kompetenzen aus psycho-sozialen, pädagogischen, therapeutischen, juristischen, medizinischen und verwaltungstechnischen Berufsfeldern zur Verfügung. (red)