Wien - Die Beamtengewerkschaft GöD ist der einzige Bereich des ÖGB, in dem die Minderheitsfraktion der Christgewerkschafter eine Mehrheit hält - und wenn es nach deren Chef Fritz Neugebauer geht, dann wird die derzeit laufende Fusionierungswelle der Teilgewerkschaften darauf keinen Einfluss haben.

 

"Jawohl, diese Diskussion hat es gegeben, aber sie entbehrt jeglicher Grundlage", sagt Neugebauer im Standard-Gespräch über einen möglichen Zusammenschluss mit der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten. Diese ist im Unterschied zur GöD rot dominiert - bei einer Fusion hätte eine vereinigte Gewerkschaft einen roten Chef. Aber für eine Fusion gebe es keinen Anlass, versichert Neugebauer: Sowohl die Bundes- und Landesbeamten als auch die Gemeindebediensteten hätten organisatorisch und finanziell starke Gewerkschaften.

Keine organisatorische Zusammenlegung

Kooperiert würde dort, wo Kooperation sinnvoll sei, etwa bei Gehaltsverhandlungen; eine organisatorische Zusammenlegung sei aber nicht notwendig oder sinnvoll. Wo ein großer Arbeitgeber - der Staat, die Gemeinden, die Bundesbahn oder die Post - einer genügend großen und genügend starken Gruppe von Arbeitnehmern gegenüber stehe, sollten diese in einer Gewerkschaft organisiert sein.

 

Ganz allgemein teilt Neugebauer die Ansicht von Eisenbahner-Chef Wilhelm Haberzettl, dass Mega-Fusionen auch in der Gewerkschaft Gefahren bergen: "Große Gruppen können Gefahr laufen, anonym zu werden." Das bestehende Service bei den Privatangestellten dürfe nicht gefährdet werden - "es kann nicht sein, dass die Sektion Handel jetzt einfach verschwindet".

"Lassen wir die Vergangenheit ruhen"

Dies sage er ganz ohne parteiliche Motivation: Für "seine" bisher bei den Privatangestellten bedeutende FCG sei auch bei einer Fusion mit den Metallern (wo Christgewerkschafter einen schweren Stand haben) gesorgt. So sei etwa sicher, dass der Fraktion die entsprechende Zahl von Delegierten zum Bundeskongress erhalten bleibt. Überhaupt hält es Neugebauer für ausgeschlossen, "dass man den Gewerkschaftsbund nach Mehrheit und Opposition aufteilt; das wäre das mittelfristige, nein: das kurzfristige Ende eines überparteilichen ÖGB".

 

Aber eine solche Entwicklung sieht Neugebauer nicht. Beim Gewerkschaftstag seiner Beamten in der nächsten Woche werde die Fusion der anderen Gewerkschaften nur am Rande ein Thema sein. Hier gehe es um standesspezifische Fragen - und um den richtigen Umgangston. Noch ist gut in Erinnerung, wie die Regierungsvertreter bei der Eröffnung des letzten GöD-Gewerkschaftstages ausgepfiffen wurden. Neugebauer: "Lassen wir die Vergangenheit ruhen. Das ist nicht mein Stil. Natürlich ist die Art, wie miteinander geredet wird, immer verbesserungswürdig."

 

Die geplante Gewerkschafts-Fusion ist am Mittwoch generell positiv kommentiert worden. SP-Chef Alfred Gusenbauer sieht in ihr einen "deutlichen Reformschub". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.10.2001)