Belgrad - Der Moslem-Extremist Osama bin Laden hätte die Eröffnung einer Front auf dem Balkan geplant, um so Luftangriffe gegen Afghanistan zu vermeiden und Europa in Brand zu setzen. Dies berichtete die Belgrader Wochenzeitschrift "Nedeljni telegraf" in ihrer neuesten Ausgabe unter Berufung auf Analysen israelischer Geheimdienstkreise und der US-Militärzeitung "Stars und Stripes". Auf dem Balkan würden sich nach diesem Bericht etwa 6.000 Gefolgsleute Bin Ladens befinden, die jederzeit bereit wären, auf die amerikanischen Angriffe in Afghanistan zu antworten. Sehr schnell könnten diese eine schlagkräftige Armee mit über 40.000 Kämpfern formieren. Dabei könnten sie mit etwa 7.500 "Kriegern" in Bosnien, jeweils 15.000 im Kosovo und in Albanien und 5.000 weiteren in Mazedonien rechnen, die Terroranschläge auf westliche Einrichtungen ausüben könnten, berichtete "Nedeljni telegraf". Den Dritten Weltkrieg provozieren Tomislav Kresovic vom Belgrader Institut für strategische Forschungen betrachtet dieses Szenario als durchaus real. Mit großangelegten Angriffen in Europa würde Bin Laden sogar planen, den Dritten Weltkrieg zu provozieren, befürchtet der politische Analytiker im Interview gegenüber "Nedeljni telegraf". Kresovic erwartet auch, dass die Mudschahedin auf dem Balkan innerhalb von etwa 20 Tagen auf die US-Angriffe in Afghanistan reagieren werden. Ungarn als NATO-Mitglied könnte dabei das erste Ziel von Terroranschlägen werden. Danach sei Bulgarien ein potenzielles Opfer. Sofia, wo sich auch bedeutende strategische Interessen der NATO und der USA kreuzten, sei gegenwärtig das "Zentrum für die Versammlung von Moslems" auf dem Balkan, so Kresovic. Schon seit Jahren lebten in der bulgarischen Hauptstadt Mitglieder der Terrororganisation "Al Kaida", die nun versuchen würden, vermehrt Mudschahedin nach Jugoslawien, Bosnien-Herzegowina und vor allem in das Kosovo zu schleusen. Balkanländer "Schritt für Schritt" destabilisieren Nach der "Domino-Strategie", befürchtet der Analytiker, könnten die Balkanländer ausgehend von Bulgarien "Schritt für "Schritt" destabilisiert werden. So sei etwa insbesondere die Krisenregion Südserbien, die Angriffen der albanischen Guerilla und auch der albanischen Mafia ausgesetzt werden könnte, bedroht. Aber auch Albanien könnte von Terroranschlägen heimgesucht werden, vor allem weil die Regierung in Tirana deklarariert die westliche Anti-Terror- Koalition unterstütze. Albanien könnte somit wegen des "Verrats islamischer Ziele" bestraft werden, führte Kresovic weiter aus. Dem Domino-Effekt folgend, könnte sich dann die Krise auf das Kosovo, Mazedonien und auch Griechenland ausweiten. In allen drei Gebieten gebe es Einheiten der NATO, die Ziele von Angriffen werden könnten. Sollte es tatsächlich zu Auseinandersetzungen zwischen den Mudschahedin und den KFOR-Truppen im Kosovo kommen, wären UNO, NATO und die USA gezwungen, mit einer Militär-Aktion zu intervenieren. Ernsthafte Krise als Folge Nach solch einer Intervention westlicher Einheiten im Kosovo würde es wiederum in Bosnien zu einer Gegenreaktion der Muschahedin und Angriffen gegen westliche Einrichtungen und Einheiten kommen, glaubt Kresovic. Sollte dies eintreffen, würde das Land im Chaos versinken und das "Dayton-Bosnien" wäre Vergangenheit. Zugleich würden auch albanische Terroristen, vor allem die "Albanische Nationale Armee" (ANA), Angriffe gegen NATO-Einheiten in Mazedonien starten. Die Folge all dieser Ereignisse wäre eine ernsthafte Krise mit einem kriegerischen Ausgang auf dem alten Kontinent. Der Balkan als "Pulverfass" Europas könnte somit erneut zum kriegerischen Brennpunkt und zu einer "Bombe" werden, befürchtet der politische Analytiker. (APA)