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Foto: REUTERS/Scanpix
Graz - Den von den Nationalsozialisten verfolgten Budapester Juden war er ein "Licht in der Finsternis": Der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg, dem es von Juli 1944 bis Jänner 1945 gelang, zehntausende Verfolgte vor dem sicheren Tod in den Gaskammern zu retten. In Graz wird nun auf Initiative des Jugendmagazins "perplex" unter dem Titel "Licht in der Finsternis" österreichweit erstmals eine Ausstellung über das Leben und Wirken des Diplomaten gezeigt, dessen eigenes Schicksal nach 1945 bis heute nicht vollständig geklärt wurde. Die Schau wird am Freitag in der religionspädagogischen Akademie eröffnet. Mit Hilfe von Fotos, Briefen und Telegrammen gibt die Ausstellung, die seit 1994 in mehreren deutschen Städten gezeigt und immer wieder mit neuen Dokumenten ergänzt wurde, einen Einblick in die Planung der couragierten Rettungsaktion Wallenbergs und seiner Helfer sowie einen Überblick über die Geschichte Ungarns von 1933 bist 1945. Zusätzlich wird eine Auswahl der internationalen Wallenberg-Biographien, Wallenberg-Briefmarken und weiteres Material gezeigt. Ein 70-seitiges Begleitheft mit einem Geleitwort von Ignatz Bubis, des 1999 verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, ist ebenfalls erhältlich. Nach Graz soll die Schau auch in Wien und Budapest gezeigt werden. Rettungsaktion Am 9. Juli 1944 traf ein Mann in Budapest ein, der einen einfach klingenden, doch in Wirklichkeit lebensgefährlichen Auftrag in der Tasche hatte: "So viele Menschen retten wie möglich". Innerhalb nur eines halben Jahres gelang dem damals erst 32-Jährigen die wohl größte Rettungsaktion für verfolgte Juden in Ungarn: Mit der Ausstellung von so genannten Schutzpässen, gelang es dem schwedischen Gesandtschaftssekretär und seinem Helferstab mehrere zehntausend Juden vor der Vernichtung durch das NS-Regime zu bewahren. Laut dem Wallenberg-Biografen und deutschen Juristen Christoph Gann, der die Ausstellung konzipiert und nach Graz gebracht hat, konnten durch Wallenbergs Eingreifen 119.000 Juden in Budapest die Zeit der Besetzung überleben. Ausgestattet mit 200.000 Schwedenkronen durch die schwedische Regierung sorgte Wallenberg nicht nur für die Ausstellung von Schutzpässen nach Vorbild des Schweizer Konsuls Carl Lutz, der diese Dokumente, die ihre Inhaber unter den Schutz der ausstellenden Behörde stellte, "erfand". Er kaufte auch ganze Häuserzeilen in Budapest auf - insgesamt 31 Gebäude -, erklärte sie zu exterritorialem Gebiet unter blaugelber Flagge und brachte darin die verfolgten Juden unter, sorgte für ihre Verpflegung und ärztliche Betreuung. Im Jänner 1945 wurde Wallenberg von russischen Soldaten gefangen und nach Moskau gebracht. Nach zunächst widersprüchlichen Angaben geht Russland auf Grund von Erhebungen der russischen Militärstaatsanwaltschaft heute davon aus, dass Wallenberg im Juli 1947 vom sowjetischen Geheimdienst ermordet wurde. Stockholm vermutet, der Diplomat habe möglicherweise noch bis 1989 in sowjetischer Haft gelebt. Im Jänner diese Jahres wurde Wallenberg von russischer Seite rehabilitiert. (APA)