Wien - Die Mobilfunkbranche scheint nicht mehr auf der Suche nach der so genannten "Killer Application" zu sein, jener attraktiven Anwendung, die neue mobile Internet-Technologien wie GPRS (General Packet Radio System) oder UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) zum Durchbruch verhelfen soll. Entweder sie ist schon gefunden oder es gibt sie gar nicht, so der Tenor von Spitzenvertretern der Mobilfunkbranche am Donnerstag bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Die neuen Kommunkationsformen von SMS bis UMTS - Auf der Suche nach Content" im Rahmen der Medientage in Wien. "Die einzige Killer Application ist die Sprache. E-Mail ist zwar eine wichtige Application, aber nicht die Killer Application", betonte Mobilkom-Generaldirektor Boris Nemsic. "Voice ist nach wie vor der King. Nur die Datenübertragung ist drauf und dran, zum King Kong zu werden", meinte auch max.mobil-Vorstand Friedrich Radinger. "E-Mail ist die Killer Application, Entertainment ist der Killer Content", ist hingegen One-Chef Jorgen Bang-Jensen überzeugt. "Content sucht User" Auch die Suche nach Inhalten für die neuen mobilen Dienste scheint im Mobilfunkbereich in ein neues Licht gerückt: "Wir sind nicht auf der Suche nach Content, sondern der Content ist auf der Suche nach dem User. Die Welt ist voller Content", so Nemsic. Die Mobilfunkbranche sei zwar auf der Suche nach Content, doch müssten die Contentprovider auf die Mobilfunkbetreiber zu gehen und nicht wie bisher warten, dass man auf sie zu geht, meint der Geschäftsführer der österreichischen Telefonica-Tochter 3G Mobile Telecom, Kurt Lüscher. "Die größte Herausforderung für die Mobilfunkbetreiber besteht derzeit darin, Partner für den Content zu finden und damit neue mobile Anwendungen zu schaffen", betonte Radinger. Die künftigen mobilen Geschäftsmodelle würden mehrere Partner aus verschiedenen Bereichen vereinen, für die Bestellung von Konzertkarten via Handy beispielsweise die Konzertveranstalter, das Ticketservice und den Mobilfunkbetreiber. Ein dominanter Faktor werde aber auch in den künftigen veränderten Geschäftsmodellen der Preis sein, bemerkte Radinger. Allerdings werde der Preis künftig nicht mehr so leicht vergleichbar wie bisher sein, da durch die partnerschaftlichen Vernetzungen im Preis neue Bestandteile enthalten sein werden. "Preise sinken nicht mehr weiter" Dass die Preise im Mobilfunkbereich erneut sinken könnten, glaubt keiner der Mobilfunkvertreter. "Die Preise sind in Österreich auf Grund des scharfen Wettbewerbs so stark gefallen. Außerdem haben Analysten bis vor kurzem den Wert eines Telekom-Unternehmens allein an den Kundenzahlen bemessen und honoriert. Es wird keinen weiteren dramatischen Preisverfall mehr geben, da die Mobilfunkbetreiber auch Geld verdienen und neue Wertschöpfungen generieren müssen", stellte tele.ring-Geschäftsführer Hartmut Kremling fest. Nicht die Investoren, sondern die Mobilfunkbetreiber seien "selber schuld" an dem niedrigen Niveau der Preise, meint hingegen Lüscher. Die "Altlast" der niedrigen Tarife werde die Branche künftig noch mehrere Jahre belasten. Allerdings sei es wichtig, für neue Dienste und Produkte vernünftige Preise anzubieten. "Auch im Internet müssen künftig kostenpflichtige Dienste eingeführt werden, damit die Betreiber Geld verdienen können", so ucp-Vorstand Christian Lutz. Wesentliche Erfolgsfaktoren für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS seien die einfache Handhabung der Technologie, dass UMTS von mehreren Personen benutzt werde und dass die Dienste relativ kostengünstig seien, stellte Bang-Jensen fest. Die Kiss-Formel "Keep it simple and stupid" sei das Um und Auf für neue Dienste und Geräte, ist auch Lüscher überzeugt. (APA)