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Graz - Ab Juni 2002 werden rund 30.000 steirische Haushalte bis zu 50 Prozent mehr Miete bezahlen, weil die Wohnbeihilfe in der Steiermark neu geregelt wird. Notwendig geworden sei dieser radikale Umbau des Wohnbeihilfensystems laut VP-Landesrat Gerhard Hirschmann wegen des "enormen Missbrauchs durch Beihilfenbezieher". Hirschmann: "Das alte System ist eine Gemeinheit zulasten des Steuerzahlers." Verschlechterung für alle Frauen Als Beispiel nannte der Landesrat den Fall einer Alleinerzieherin mit drei Kindern, "die offiziell Notstandshilfe bezieht und in Wirklichkeit 26. 000 Schilling netto Einkommen hat". Ursula H., eine Mitarbeiterin des Grazer Frauenhauses, kennt solche Fälle nicht. Die Sozialarbeiterin: "Ich betreue im Gegenteil gerade eine Mutter mit zwei Kindern, die für 35 Wochenstunden 8700 Schilling netto verdient." Ursula H. befürchtet jetzt eine Verschlechterung für alle Frauen, die sich alleine eine Existenz aufbauen wollen. Missbrauchsfälle Wie viele Missbrauchsfälle, die diese Beihilfenreform ins Rollen brachten, existieren nun tatsächlich? Mehr als ein Dutzend Fälle pro jahr sind nicht protokolliert. Und der Schaden wurde bisher noch jedes Mal von den verurteilten Mietern zurückgezahlt. Wohnbeihilfenrückforderung Siegfried Kristan von der zuständigen Rechtsabteilung 14 der Landesregierung weiß von "einer Hand voll, meist anonymer Briefe", die wöchentlich in seiner Abteilung eingingen. In der Folge befragen Mitarbeiter der "Kontrollabteilung" die Mieter, Hausmeister oder Briefträger eines Hauses, um zu erfahren, wie viele Menschen in einer "verdächtigen" Wohnung leben. Kristan: "Ergeben sich aus den Befragungen und Beobachtungen belastende Fakten, gibt es eine Wohnbeihilfenrückforderung und eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft." Die Fälle von verurteiltem Förderungsmissbrauch belaufen sich laut Kristan auf "etwa einen im Monat". Bei 30.000 Wohnbeihilfen Empfängern im Jahr. Kristan: "Bisher haben alle Verurteilten alles bezahlt." Leichter kontrollierbar Dass der Missbrauch nach der Reform leichter kontrollierbar wird, glaubt Heinz Haselwander aus dem Büro Hirschmann nicht. Haselwander: "Wir werden auch in Zukunft nicht unter jedes Bett einen Beamten legen können." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Print-Ausgabe 12.Oktober 2001)