Kein Geschlecht, kein Körper, kein Alter, kein starres Selbst, keine Macht im Netz. Allmachtsphantasien haben zu Beginn des neuen Technologiediskurses Ohnmachtsphantasien abgelöst. Analysen im Netz zeigen indes, dass eine Jagd nach dem Geschlecht stattfindet, der abwesende physische Kroeper als Textkörper auftritt und die virtuelle Figur vom realen Selbst immer wieder eingeholt wird. Einerseits waren die Anfangserzählungen auf Mythen und Romantisierungen einer neutralen Technik aufgebaut, andererseits gibt dies auch Aufschluss über unseren problematischen Umgang mit Mehrdeutigkeiten. Realität ist, dass wir in einer Technokultur leben, wo Grenzziehungen zwischen Mensch und Maschine bruechig geworden sind und neue Technologien nicht ungebrochen alte Geschichten weitererzaehlen. Inwieweit sind wir also in der Lage, "das Gewebe der Macht zu lesen" (Haraway), ohne in eine männlich codierte binäre Logik zurückzufallen und ohne eine neuerliche Ineinssetzung von Frau und Natur bzw. Frau und Opfer vorzunehmen? Irmtraud Voglmayr ist Sozialwissenschaftlerin, freie Journalistin und Lektorin an den Universitaeten Wien, Graz, Innsbruck und TU Wien. Ihre Arbeitsschwerpunkte: Neue Medien, Genderforschung, Stadtforschung. (red)