Gegen den Vorwurf des Amtsmissbrauchs setzte sich heute, Freitag, Salzburgs Stadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) zur Wehr. Padutsch hatte sich auch nach einer Weisung eines ranghohen Magistratsjuristen geweigert, die Bauakten für sieben in der Stadt Salzburg geplante GSM-Sender auf Dachstationen freizugeben. Die Antennen würden die Salzburger Vorsorgewerte um das "Hundertfache" überschreiten, und als Politiker habe er die Verpflichtung, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu gewährleisten, rechtfertigte sich Padutsch bei einem Pressegespräch. Nicht ausreichend erforscht "Wir haben es hier mit einer Technologie zu tun, die noch nicht ausreichend erforscht ist", so der Stadtrat. Eine "Reihe von Experten" würde im von den GSM-Stationen ausgehenden Elektrosmog eine "potenzielle Gesundheitsgefährdung" sehen. Deshalb sei das in der Verfassung verankerte Grundrecht auf Schutz der Gesundheit höher einzustufen als jenes auf Erwerbsfreiheit für den Netzbetreiber, pflichtete Bürgerlisten-Klubobmann Helmut Hüttinger seinem Kollegen bei. Das gelte auch für die Auslegung der Gesetze in der Stadt Salzburg. Bessere Standorte "Wenn man die Standorte für GSM-Antennen gut auswählt, kann man mit einem Bruchteil des Salzburger Vorsorgewertes auskommen", erläuterte Gerd Oberfeld von der Landessanitätsdirektion. Es sei eine "interessante Frage", warum der jahrelange Konsens zwischen Politik und Handybetreibern "plötzlich nicht mehr" funktioniere. Padutsch vermutete dahinter den Versuch, dass das Salzburger Modell - das auch in anderen Regionen "Wellen geschlagen" habe - gekippt werden soll. Hier werde womöglich ein Betreiber vorgeschickt, um den Weg auch für alle anderen zu ebnen, meinte der Politiker. "esoterische Argumente" Eine "ungeheuere Unterstellung" sowie "esoterische Argumente" sieht Thomas Barmüller, Sprecher des Forum Mobilkommunikation, einer Vereinigung der österreichischen Mobilfunkbetreiber, in der Salzburger Diskussion. An den sieben in Salzburg vorgesehenen GSM-Antennen würden die österreichischen Grenzwerte von neun Watt (1.800 Mhz-Frequenz) bzw. 4,5 Watt (900 MHz-Frequenz) pro Quadratmeter unterschritten. Padutsch versuche durch seine "eskalierende Darstellung" der Bevölkerung eine Gesundheitsgefährdung einzureden, erklärte Barmüller gegenüber der APA. Auf Basis des Salzburger Vorsorgewertes - der in Wirklichkeit nur eine "Irreführung der Öffentlichkeit" darstelle - sei eine flächendeckende Netzabdeckung technisch nicht möglich. Bis zu einem am 22. Oktober angesetzten Treffen zwischen Magistrat und Mobilfunkbetreiber würden die Bescheide jedenfalls nicht erlassen, so Padutsch. Für den Fall, dass es auch dann zu keiner Einigung komme, sei ihm, Padutsch, "schon einiges eingefallen". (APA)