1. Ein Werdegang im Zeitraffer: Anton Pelinka wurde am 14. Oktober 1941 geboren und studierte, wie viele seiner Politologie-Kollegen, zunächst Jus. Nach frühen journalistischen Erfahrungen (1966/67 Redakteur der "Furche") und ersten politologischen Projekten (1968- 71 am Institut für Höhere Studien) wurde er Norbert Lesers Assistent an der Uni Salzburg, habilitierte sich 1972 für Politikwissenschaft, folgte dann Berufungen nach Essen und Berlin und ist seit 1975 Ordinarius an der Uni Innsbruck und Leiter des Wiener Instituts für Konfliktforschung. Gastprofessuren führten ihn insbesondere nach Indien, Frankreich, Ungarn und in die USA.

2. Sehen und gesehen werden: Ich kenne Pelinka nun seit bald vierzig Jahren, und nicht erst seit unserer gemeinsamen Arbeit "Demokratie und Verfassung in Österreich" (1971) verbindet uns aufrichtige Freundschaft. Seit damals sind rund 30 Bücher und Hunderte von Aufsätzen entstanden, die Beleg sind für Pelinkas notorische Arbeitswut - zugleich aber auch für ein nachgerade "unösterreichisches" Charakterprofil (obwohl niemand so viel über österreichische Politik geschrieben hat wie er): Pelinka ist ein Citoyen - engagiert, stets kritisch, aber selten polemisch, nie konfliktscheu. Bemerkenswerteste Tugend: Tapferkeit vor dem Freund!

Aus dem katholischen Lager stammend, emanzipierte er sich früh und ist heute für Österreichs Öffentlichkeit eine unabhängige Instanz - die freilich unterschiedlich zugeordnet wurde und wird. Von Kritikern und Gegnern meist als "Linker" etikettiert, ist er aus meiner Sicht vom Linkskatholiken zu einem Liberalen besonderer Prägung geworden.

Aber ich möchte ihn gar nicht in irgendein Kästchen einordnen oder mit einer ideologischen Markierung versehen. Pelinka ist ein Intellektueller im Sinne Hermann Brochs, er setzt rot-weiß-rote Markierungen . . .


(DER STANDARD, Printausgabe, 13.10.2001)