Wien - Die Grünen haben am Sonntag die von FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler geforderte Erfassung der Fingerprints aller Einwohner im EU-Raum abgelehnt. "Westenthaler möchte alle BürgerInnen dieses Landes wie Verbrecher behandeln", so die Migrationssprecherin der Grünen, Terezija Stoisits, in einer Aussendung. Auch die Forderung nach Verschärfung des Asylrechts durch eine Verkürzung der Verfahren lehnt Stoisits ab. "Damit will die FPÖ politisch Verfolgten die Tür nach Österreich gänzlich zuschlagen." FPÖ will wegen Stoisits-Aussagen Anwälte einschalten Die FPÖ reagierte auf die Aussagen der Grünen Migrationssprecherin mit der Androhung von rechtlichen Schritten. Der freiheitliche Pressedienst teilte dazu am Sonntag mit, dies werde "den FPÖ-Anwälten zur rechtlichen Verfolgung weitergeleitet". Kuntzl wirft FPÖ Einschränkung der Freiheitsrechte vor Kritik am sicherheitspolitischen Kurs der FPÖ kam am Sonntag auch von SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl. "Einmal mehr will sich die FPÖ bei ihrer kommenden Klubklausur als 'Unsicherheitspartei' positionieren, da sie das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der österreichischen Bevölkerung für die Einschränkung der Freiheitsrechte missbrauchen will", so Kuntzl in einer Aussendung. FP-Klubchef Peter Westenthaler hatte bekräftigt, im europäischen Gleichklang eine Erfassung der Fingerabdrücke aller Bürger anzustreben. Kuntzl sagte, die FPÖ wolle nun die "Gunst der Stunde" nützen und so rasch wie möglich einen Überwachungsstaat installieren. "Die ÖVP spielt dabei mit. Nachdem die Koalition einen so genannten Integrationsvertrag beschlossen hat, der nichts weiter als ein reines Ausweisungsinstrumentarium ist, ist zu befürchten, dass auch die Vorstellungen der FPÖ zur Einschränkung der Freiheitsrechte von der Volkspartei und ihrem Schweigekanzler mitgetragen werden." FP-Klubklausur kommende Woche Als "die Sicherheitspartei Österreichs" will der freiheitliche Klubchef Peter Westenthaler seine Partei bei einer Klubklausur am Donnerstag und Freitag dieser Woche in Wien positionieren. Dies betreffe die innere genauso wie die äußere Sicherheit. Neue Ideen erwarte er sich aber vor allem im Bereich des Fremden- und Asylrechts, sagte er im Gespräch. Notwendig sei ein Schutz vor "möglichen radikalen Elementen im Land". Der jüngst vom Innenministerium dem Parlament übergebene "Verfassungsschutzbericht 2000" sei da zu wenig konkret. Westenthaler:"Die multikulturelle Gesellschaft ist zu Grabe getragen worden" "Die multikulturelle Gesellschaft ist am 11. September zu Grabe getragen worden", so Westenthaler. Er beruft sich dabei auch auf den in Deutschland lehrenden Islam-Experten Bassam Tibi, der jüngst gemeint hatte, der Multikulturalismus sei in Amerika vor zwanzig Jahren geboren worden und ebendort am 11. September gestorben. Muslime, die im Westen leben, müssten sich mit dem Westen identifizieren, sonst blieben sie fremd als Diaspora-Kultur. Konkret bekräftigte Westenthaler die Forderung nach Erfassung der Fingerprints aller Bürger im europäischen Gleichklang. Der sozialdemokratische deutsche Innenminister Otto Schily habe die Forderung nach einem derartigen Identifizierungssystem "dankenswerterweise" unterstützt. Dass damit eine ganze Bevölkerung kriminalisiert werde, will der Klubchef so nicht stehen lassen. Vielmehr stelle sich die Frage, warum das Abnehmen von Fingerabdrücken bei Asylwerbern nicht als Kriminalisierung verstanden werde - diese Maßnahme werde breit unterstützt, betonte er. "Asylrecht verschärfen" Im Asylrecht wolle sich die FPÖ vor allem für eine Verkürzung der Verfahren stark machen: "Ich glaube, dass man das Asylrecht verschärfen muss. Über die Dauer der Verfahren ist eine Verschärfung möglich." Ein Verfahren müsse in wenigen Wochen abgeschlossen sein und dürfe nicht - wie im Fall eines mutmaßlichen ägyptischen Terroristen - sechs Jahre dauern. (APA)