Frankfurt/Main - Der 1994 verstorbene deutsche Schauspieler Heinz Rühmann soll unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zeitweilig ein enger kulturpolitischer Berater des späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht gewesen sein, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf bisher verschlossen beziehungsweise unbeachtet gebliebene Dokumente im Bundesarchiv und in der Gauck-Behörde. Laut Sonntags-FAZ belegen die Unterlagen Rühmanns Verstrickung in politische Vorgänge in der Zeit vor Gründung der DDR. Ulbricht habe den Auftrag gehabt, für die 20 Berliner Bezirke so schnell wie möglich funktionierende antifaschistisch-demokratische Bezirksverwaltungen zu bilden, in denen die Schlüsselpositionen in den Händen der Kommunisten liegen sollten. Als deren Berater soll auch Rühmann fungiert haben. Wie das Blatt ferner berichtet, äußerte sich Ulbricht wohlwollend über den damals 44-jährigen Schauspieler: "Zur Mitarbeit in der Abteilung hat sich bereit erklärt Heinz Rühmann, einer der bekanntesten Filmschauspieler und Regisseure. Er hat in keinem politischen Film für die Nazis mitgewirkt. Er hat Genossen bei der illegalen Arbeit gegen das Hitlerregime geholfen. Er ist sowjetfreundlich gesinnt." Tatsächlich hatte der politisch stets sich diplomatisch-bedeckt haltende Rühmann während der Nazi-Herrschaft Kontakt zum Reichspropaganda-Minister Joseph Goebbels gehalten und galt als einer von Hitlers Lieblingsschauspielern. Im biografischen Porträt des Munzinger Archiv heißt es über das Leben des Schauspielers Mitte der 40er Jahre Krieg vage: "Nach Kriegsende nahm Rühmann seine Theaterarbeit wieder auf." (APA/AP)