Bielefeld - Konstantin Wecker ist zurück auf der Tourneebühne. Mit Ovationen gefeiert von den knapp 1.000 Zuschauern begab sich der Münchner Liedermacher in Bielefeld auf den Weg durch sein "Vaterland", der ihn bis Anfang Dezember noch durch weitere 32 Städte führt. Es ist Weckers erste große Tournee nach fünf Jahren. Mit "Vaterland", dem Titelsong seiner neuen CD, eröffnete Wecker das Konzert. Es war der Beginn von drei beeindruckenden Stunden. Kokettierend mit seinen 54 Lebensjahren, zeigte er, dass zunehmende Weisheit nichts mit nachlassendem Biss zu tun hat. Wecker kritisiert Rüstungsindustrie und Börsengläubigkeit, Privatfernsehen und Intoleranz. Mit seinem toten Freund Willy spricht er über die veränderte Welt nach dem 11. September, beklagt die "Verbrecher, die so vielen Kindern, Müttern und Vätern das Leben zerstört haben" genauso wie das öffentliche "Trauer-Management, das all die Toten in Ruanda vergisst". Den Song "Amerika" von der neuen CD - mit bitterbösen Worten über US-Präsident Bush - spielt Wecker nicht. Melancholisch und witzig Doch Wecker ist längst nicht nur kritisch: ein Mal zärtlich in seinen Liebesliedern, manchmal melancholisch und witzig in der Auseinandersetzung mit den Eigentümlichkeiten unserer Gesellschaft. Über seinen früheren Drogenkonsum und die folgenden Gefängnisstrafen verliert er kein Wort. Musikalisch präsentierte sich der Liedermacher bekannt virtuos am Flügel, aber auch experimentierfreudig: der Sprechgesang im Stile eines Rappers bei der 45-minütigen Zugabe ließ die Zuschauer jubeln. Der neue, alte Wecker kommt erfrischend anders daher als vieles, was sonst auf deutschen Bühnen gezeigt wird. Und: Wecker sowie seine musikalischen Begleiter Jo Barnikel (Keyboards), Gerd Baumann (Gitarre), Jens Fischer-Rodrian (Percussion) und Sven Faller (Kontrabass) versprühten eine mitreißende Freude am Musizieren. (APA/dpa)