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Wien - Die weltpolitische Tragweite der Terroranschläge in Washington und New York lasse keine andere Alternative zu, als dieser Herausforderung mit Entschlossenheit zu begegnen. Zugleich biete die Anti-Terror-Allianz eine Chance für eine neue Form der internationalen Partnerschaft. Diese Auffassung unterstrich der Geschäftsträger der Botschaft der Vereinigten Staaten in Österreich, A. Daniel Weygandt. "Die Anschläge waren nicht nur gegen die USA gerichtet, sondern gegen die Weltwirtschaft, gegen die auf der Welt bestehenden Sicherheitsstrukturen", erklärte der Diplomat. Dass eine der Terroraktionen unweit vom UNO-Hauptquartier ausgeführt wurde, "ist natürlich eine Herausforderung für die Staatengemeinschaft schlechthin", meinte der Geschäftsträger der US-Botschaft. Die Notwendigkeit der Allianz gegen den Terrorismus erläuterte Weygandt mit den Worten: "Wir sehen keine Alternative zu dieser Kombination aus diplomatischen, politischen, militärischen und humanitären Mitteln." Kein Problem sieht der US-Geschäftsträger in dem heterogenen Charakter der Anti-Terror-Allianz, zu der sich der Westen ebenso bekennt wie Russland, China und islamische Staaten. "Zunächst denke ich, dass diese Staaten, die sich der Allianz angeschlossen haben, aus Eigeninteresse handeln." Deren Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen seien ebenfalls betroffen. Für die USA bedeute die neue Allianz, "dass wir Interessen und Probleme unserer Partner mehr berücksichtigen und vielleicht in einem etwas offeneren Dialog zu einer neuen Haltung gelangen". Zu Russland im Besonderen bemerkte der US-Diplomat in Anspielung auf die Tschetschenen zugeschriebenen Attentate in Moskau, er wisse aus eigener Erfahrung, dass auch dieses Land Opfer von Terroranschlägen geworden sei "und dass der Westen damals ziemlich wenig Anteilnahme gezeigt hat." Weygandt, der vor Antritt seines Postens in Wien an der US-Botschaft in Moskau tätig war, fügte hinzu: "Wenn wir diese Koalition für einen neuen Dialog nützen, hat das durchaus positiven Charakter." "Pakistan weiß, worum es geht" Zum neuen Partner Pakistan, dem als Nachbarland des von den radikal- islamischen Taliban beherrschten Afghanistan eine Schlüsselrolle zukommt, sagte Weygandt: "Die Regierung in Islamabad hat ihren Kurs gewählt und sie tut das auch im eigenen Interesse. Sie weiß sehr wohl, worum es geht." Mit ihrer Politik "berücksichtigt die Führung in Islamabad einerseits religiöse Interessen, andererseits setzt sie deutliche Grenzen gegenüber Terrorismus und Extremismus". Die "Reaktion auf der Straße" sei in Pakistan bedeutend geringer ausgefallen als von vielen vorausgesagt, meinte der Diplomat zu den Protesten politischer Gruppen gegen die US-Militäroperation. "Die Entschlossenheit der Ordnungskräfte, die Situation nicht außer Kontrolle geraten zu lassen", zeige das Bemühen um die Balance, Gewalt nicht zu dulden, zugleich aber "ein gewisses Demonstrationspotenzial" zuzulassen. Der US-Geschäftsträger räumte "gewisse Unwägbarkeiten" ein, die eine Militäraktion mit sich bringe. "Das ist mit ein Grund, warum wir von Anfang an deutlich gemacht haben: Unsere Ziele (gegen den Terror-Drahtzieher Osama Bin Laden in Afghanistan, Anm.) sind militärisch: terroristische Basen, Munitionsdepots, etc., und dass wir möglichst wenig Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft ziehen möchten." Die pakistanische Seite habe diese Haltung anerkannt. Positiv wertete Weygandt auch die "entgegenkommende" Position, welche die Internationale Konferenz-Organisation (ICO) zuletzt in Bezug auf die Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung eingenommen habe. EU als "starker Partner" in Nahost erwünscht Auch im Bündnis mit den zentralasiatischen Nachbarn Afghanistan sieht der US-Diplomat neue Chancen. Auf den Einwand, dass Hilfestellung bei der Militäraktion der USA innenpolitisch den Menschenrechtsdruck erhärten könnte, etwa in Usbekistan, erwiderte Weygandt, es liege schon lange im Interesse der USA, "diese Staaten auf einen demokratischen Weg zu bringen". Politisch gesehen, müsse man "eine Gratwanderung" vollziehen, räumte er ein. Nachsatz: "Noch vor zehn Wochen hätte niemand an eine US-Militärpräsenz in dieser Region gedacht", die früher zur Sowjetunion gehörte. "Es ist einfach eine neue, nie dagewesene Situation." Dennoch erwartet der Diplomat, dass in der Bilanz mit Zentralasien die Aktiva überwiegen werden. In der neuen Beziehung etwa zu Taschkent, für die "auch das Einverständnis der Russischen Föderation ausschlaggebend" war, sieht er "Potenzial für einen neuen Dialog über Menschenrechte und Wirtschaft", jedenfalls "eher Chancen für die Entwicklung demokratischer Strukturen als Gefahren dafür". Diesen Staaten müsse klar sein, dass westliches Engagement "auch Rückwirkungen auf die Menschenrechte im positiven Sinn für sie haben könnte". Je stärker der Westen sich engagiere, umso größer sei die Chance einer "Entwicklung in eine pluralistische Richtung" nach zehn Jahren Unabhängigkeit. Annäherung UNO-USA Erfreut zeigte sich Weygandt über die jüngste Annäherung zwischen den USA und den Vereinten Nationen im Zuge der Kampagne gegen den Terrorismus: "Es ist schön, zu sehen, dass in einer solchen Krisensituation die Weltöffentlichkeit und die Institutionen wie die USA und die UNO spontan erkennen, dass Handlungsbedarf gegeben ist." Es bestehe die Chance, dass die Weltorganisation "tatkräftiger" werde. Der UNO komme eine Schlüsselrolle bei der Diskussion um Begriffe wie Terrorismus zu. Dass der Nahost-Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, der weithin als Wurzel des islamischen Terrorismus betrachtet wird, noch immer nicht gelöst ist, führt der US-Diplomat nicht auf "Mängel in der US-Außenpolitik" zurück, sondern auf die Schwierigkeit dieses Konflikts. Die Koalition gegen den Terror biete auch hier "einen neuen Ansatz". Zugleich plädierte Weygandt für eine starke Nahost-Rolle der EU und "eine sinnvolle diplomatische Arbeitsteilung": "Für die USA ist es sehr wichtig, einen starken, handlungsfähigen europäischen Partner zu haben. Diese Krise beweist ganz deutlich, dass wir mit einem guten Partner besser fahren." Ausdrücklich verwahrte sich Weygandt gegen Kritik, die Bush-Administration betreibe eine Nahost-Konfliktlösung weniger engagiert als die Vorgänger-Regierung Clinton: "Ich möchte klarstellen, dass dieser Eindruck, die USA hätten seit dem 20. Jänner dieses Jahres keine aktive Rolle gespielt, schlicht falsch ist." Jede Verhandlung habe "ihre eigene Dynamik. Es gibt Phasen, wo das persönliche Engagement vielleicht nützen kann, und Phasen, wo die Parteien unmittelbar miteinander sprechen müssen." (APA)