Wien - Für die "moralische Unterstützung", die Österreich den USA nach den Terroranschlägen zuteil werden ließ, hat der US-Geschäftsträger in Wien, A. Daniel Weygandt, ausdrücklich gedankt. Die echte und tiefe Anteilnahme an der Tragödie sei "zu Hause in den USA anerkannt worden", sagte Weygandt. Die Ereignisse hätten die Amerikaner zusammenrücken lassen und gezeigt: "Die Menschen sind fähig, aus einer Krise gestärkt hervorzugehen. Und der Präsident hat in dieser Krise deutliche Führungskraft bewiesen." "Ich bin sehr angetan von der Bereitschaft der Regierung" Weygandt erinnerte an die Gedenkstunde für die Opfer der Anschläge, zu der vergangene Woche Bundespräsident Thomas Klestil in die Hofburg einlud. "Viele Amerikaner waren dabei", so der Diplomat. Sie wüssten es zu würdigen, wenn das österreichische Staatsoberhaupt sage: Wir sind so zu sagen auf der gleichen Seite. Diese überaus wichtige moralische Unterstützung sei "im Grunde ein dauerhafter Beitrag, daran habe ich eigentlich keinen Zweifel", fügte der Diplomat hinzu. Auch in konkreten Bereichen leiste Österreich nach den Worten des derzeitigen US-Missionschefs wichtige Beiträge. "Es geht darum, terroristische Finanzmittel zu blockieren, durch bessere polizeiliche Zusammenarbeit die Bewegungen von Terroristen zu überwachen, ihr Kommunikationsnetz möglichst zu stören, und mehr über die Aktivitäten der Hintermänner zu erfahren." Die Kooperation Österreichs dabei sei wichtig. Weygandt: "Ich bin sehr angetan von der Bereitschaft der Regierung, diesen Beitrag zu leisten." Die Katastrophe habe bewirkt, dass die Menschen in den USA wieder "netter und rücksichtsvoller" miteinander umgehen, gab der Diplomat Berichte aus der Heimat wieder. Alltagsaspekte, wie die Freiheit, spontan auszugehen, sich zu versammeln, würden mehr geschätzt als früher. Nach dem großen Schock habe ein Nachdenkprozess eingesetzt "mit dem Willen, etwas Positives draus zu machen". Weygandt sieht darin "einen Schüssel für den Erfolg der USA. Die Gesellschaft definiert sich immer wieder neu, findet in Veränderungen einen positiven Weg." Dazu komme für viele Bürger der multiethnischen Nation "die Erkenntnis, dass die USA ein Teil der Welt sind". "Es gibt keine Alternative Enttäuschung über die teilweise Skepsis der europäischen Öffentlichkeit gegenüber der US-Militäroperation empfindet Weygandt nicht. "Aus unserer Sicht gibt es keine Alternative", doch verstehe er die Ängste vieler Menschen. "Solche Ängste gibt es auch in den USA." Bei der Darstellung in den Medien sei es "etwas einfacher, über militärische Unternehmungen zu berichten als über diplomatische. Aber allein die Tatsache, dass wir diese sehr breite Koalition zu Stande gebracht haben, sollte für die europäischen Medien bedeutsam sein." Der designierte Botschafter Lyons Brown werde in Bälde seinen Posten in Wien antreten, sagte Weygandt, der selbst erst seit August aus Moskau in die Bundeshauptstadt berufen wurde. Durch die aktuellen Ereignisse hätten sich Verzögerungen beim ausständigen Senats-Hearing Browns ergeben, für das noch kein Termin anberaumt sei. "Wir hoffen, dass er in ein paar Wochen hier sein wird", schätzt sein Wiener "Statthalter". (APA)