Die Industrieseite hat in Österreich im elektronischen Handel noch einen großen Nachholbedarf. "Wir sind im internationalen E-Commerce nicht nur kaum präsent, sondern unterschätzen auch unsere Rolle, die wir in Zentraleuropa spielen könnten. Es geschieht fast nichts und die Zeit drängt", skizziert der Vorsitzende der diesjährigen internationalen E-Commerce-Konferenz, Ökonom und E-Commerce-Experte der Technischen Universität (TU) Wien, Gerhard Hanappi, am Montat vor Journalisten, die Lage. Nicht nur für einen kleinen elitären Kreis E-Commerce sei ein Thema, das nicht nur einen kleinen elitären Kreis betreffe, der damit Geld verdiene. "Von den künftigen Lösungen werden alle Haushalte permanent betroffen sein", meint der Experte. Die Zukunft der Branche sieht Hanappi neben dem mobilen Web via Handy (M-Commerce) und der elektronischen Verwaltung (E-Governement) vor allem Lösungen, die den Benutzern helfen, die Informationsflut zu entwirren und Weltbilder zu entwickeln. Dies verschaffe dem Benutzer einen Mehrwert, für den er auch bereit sein werde zu bezahlen. Die Technologien dazu seien aber erst im Entstehen. Die Erholung der Internet-Branche sei erst im Frühjahr zu erwarten, betont der Fachmann. Als Zentren des E-Commerce bekämen die Städte innerhalb Europas dabei eine immer stärkere Bedeutung. Wien komme dabei nach der EU-Osterweiterung eine wesentliche Rolle zu. Immerhin sei die Bundeshauptstadt eine der größten Städte im deutschsprachigen Raum. Bereits jetzt habe Wien auf Grund seiner bereits gestarteten Initiativen in der elektronischen Verwaltung bei der europäischen Initiative "Tele Cities" die Präsidentschaft erhalten, betonte Hanappi weiter. "Die Schaffung einer hier ansässigen kritischen Masse wissenschaftlicher Kapazitäten ist notwendig" Der Experte spricht sich dennoch für eine verstärkte politische Initiative und erhöhte finanzielle Unterstützung aus. Wichtig sei die Bildung neuer Technologieclusters. Dadurch sollten E-Commerce-Experten aus aller Welt angelockt werden. "Die Schaffung einer hier ansässigen kritischen Masse wissenschaftlicher Kapazitäten ist notwendig, um weitere Experten zu gewinnen - und das wiederum ist ein politisch zu initiierender Prozess", meint Hanappi. Gelinge dies nicht, habe Österreich nur mäßige Chancen sich in der bevorstehenden internationalen Arbeitsteilung so standortgünstig darstellen zu können, "dass der gegenwärtige Rang im internationalen Wohlfahrtsvergleich auch nur einigermaßen erhalten bleibt", warnt der Experte. Beim kommenden internationalen E-Commerce-Kongress vom 31.10. bis 4.11., der mit dem diesjährigen Tagungsort Wien erstmals überhaupt in Europa stattfindet, werden rund 80 Fachleute zum Thema E-Commerce sprechen. Aktueller Stand und zukünftige Trends rund um den elektronischen Handel aus technischer, organisatorischer und politischer Sicht werden ebenso diskutiert wie die weitere Entwicklung in der Informatisierung der Politik. Die Teilnahmegebühr für alle fünf Tage beträgt 5.300 S (385 Euro), Studenten zahlen die Hälfte. Ab Samstagnachmittag wird die Veranstaltung für die Öffentlichkeit geöffnet, ab dann ist der Besuch gratis. Hanappi rechnet mit rund 500 Teilnehmern. (APA)