Brüssel/Wien - Seit Monaten tobt ein linguistischer Konflikt innerhalb der EU-Institutionen. Trotz des eher französischen Charakters der dortigen Verwaltungsstrukturen, feiert das Englische seinen schleichenden Siegeszug in Brüssel. Böse Briefe aus Berlin und Paris waren zuletzt die Folge. Doch gute Englischkenntnisse bleiben ein Wettbewerbsvorteil. Auch bei der EU-Erweiterung - wie das British Council und die Industriellenvereinigung meinen, die am Montag in Wien eine internationale Konferenz unter dem Titel "English and the wider Europe" organisierten. Wie schwer es ist, in Europa das Wort zu führen, wenn man nicht perfekt Englisch spricht, lässt sich an EU-Kommissionspräsident Romano Prodi studieren. Unklar, stockend und leise nuschelt der ehemalige Wirtschaftsprofessor herum, wenn er eine Pressekonferenz auf Englisch halten muss. Dass Prodi auch ganz anders kann - eindringlich und überzeugend reden - merkt man, wenn er in seiner Muttersprache parliert. Schlechtes Englisch als persönlicher Standortnachteil. Dass Englischprobleme auch für ganze Länder ein Standortnachteil sind, weiß das British Council nur zu gut. Die Auslandsbildungsorganisation kümmert sich daher in den letzten Jahren besonders intensiv um die mittel- und osteuropäischen Ländern. Auf der Konferenz am Montag in Wien ging es denn auch unter anderem um "New Business" und "New Technology" in den EU-Kandidatenstaaten. Doch die Veranstalter hängten die Bedeutung der englischen Sprache noch höher. "How English can help to bring peace and prosperity through wider communication" war eine der Fragen, die untersucht wurden - Englisch als Kommunikationsmedium zur Erlangung von Frieden und Wohlstand. Simon Cole, der Leiter des British Council in Wien, erläutert, was dies bedeuten kann - indem er britische Aktivitäten auf dem Balkan schildert: "Indem man die englische Sprache fördert, hilft man mittelfristig auch, die Kommunikation zwischen den ethnischen Gruppen zu fördern." Gemeinsamer Sprachunterricht zum Abbau von Barrikaden in den Köpfen. Da mag etwas dran sein. Denn auch das Beispiel EU zeigt, dass Englisch als Lingua franca die Verständigung erleichtert. Zumal es nicht mehr nur ein allein selig machendes "Oxford-English" gibt. Cole weist darauf hin, dass sich weltweit verschiedene Varianten des Englischen etablieren, die alle ihren guten Zweck in der internationalen Kommunikation erfüllen. Ein besonders bekanntes Beispiel: das beliebte Brüsseler Bürokraten-Englisch. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. 10. 2001)