Washington - Die Folgen der Anschläge vom 11. September haben die US-Wirtschaft nach den Worten von Notenbankpräsident Alan Greenspan nicht so stark getroffen, wie befürchtet. Allerdings gebe es auch noch keine deutliche Erholungsbewegung, sagte der Chef der Notenbank Fed am Mittwoch vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss beider Häuser des US-Kongresses in Washington. Es sei klar, dass die Wirtschaftsaktivität in den USA unmittelbar nach den Anschlägen stark gesunken sei, sagte Greenspan. Die US-Verbraucher und Unternehmen hätten ihre Ausgaben aber wohl nur vorübergehend eingeschränkt. Gleichzeitig sprach er sich gegen staatliche Konjunkturprogramme aus. Tür für weitere Zinssenkung offen Analysten sagten, Greenspan habe versucht, die weiter herrschende Unsicherheit zu schmälern, und die Tür für weitere Zinssenkungen offen gelassen. Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Notenbank weitere Zinssenkungen vorbehalte. Bei den nächsten beiden Treffen des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) seien Senkungen um jeweils 25 Basispunkte möglich. Greenspan betonte die Unsicherheiten für die kurzfristigen Wirtschaftsaussichten. Die Anschläge hätten zu einer Neueinschätzung der Risiken geführt und eine abrupte Anpassung der Preise in vielen Märkten notwendig gemacht, um die erwarteten Kosten einer nun feindlicheren Welt widerzuspiegeln. Diese Anpassungen seien aber einmalige Niveau-Anpassungen, die die langfristigen Wachstumsaussichten nicht notwendigerweise beeinflussen würden. Produktivitätswachstum belastet Die Anschläge werden Greenspan zufolge aber das Produktivitätswachstum belasten. "Das Niveau des Produktivitätswachstums wird sich wahrscheinlich einmalig nach unten anpassen, da unsere Wirtschaft sich auf ein höheres wahrgenommenes Risiko einstellt." Sobald diese Anpassung stattgefunden habe, werde die Produktivität wieder mit Raten, die höher seien als in den 25 Jahren vor 1995, wachsen. Der negative Einfluss der Anschläge auf die Produktivität werde nicht Jahre, sondern höchstens Quartale, vielleicht sogar nur einige Monate anhalten. An den US-Aktienmärkten kam es nach der Rede Greenspans zu Kursverlusten bei den Technologiewerten. Der Dow-Jones-Index der führenden Industriewerte lag dagegen am Nachmittag mit 0,47 Prozent im Plus bei rund 9427 Punkten. (APA/Reuters)