Wien - Die Abfertigung neu ist in die politische Taktiererei geraten. Die Sozialpartner haben sich inhaltlich weitgehend geeinigt. Das favorisierte Modell, wie von beiden Seiten hinter vorgehaltener Hand bestätigt wird, ist die Einbeziehung aller Beschäftigten ab dem ersten Jahr bei einem Beitragssatz von 1,4 Prozent der Lohnsumme. Die Arbeitnehmer würden diesen Beitrag bis zur Pension einzahlen, ein Arbeitnehmer würde den Höchstanspruch auf zwölf Gehälter erst nach 50 Jahren und nicht schon wie bisher nach 25 Jahren erreichen. "Gezieltes Strohfeuer" Die Lösung, die im Wesentlichen steht, kann aber nicht verabschiedet werden, weil sie auf Präsidentenebene fixiert werden muss und Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl weilt gegenwärtig in Saudiarabien. Der stellvertretende Generalsekretär Reinhold Mitterlehner hält Berichte in den Medien, wie er sagt, für gezieltes Störfeuer, um die Sozialpartner an einer Gesamtlösung zu hindern. Die Regierung ihrerseits, die bis Ende September die Sozialpartnerlösung gefordert hat, ist nun nicht mehr so darauf erpicht, weil eine Umsetzung der beschriebenen Vereinbarung den Arbeitnehmervertretern einen Erfolg brächten, der in Zusammenhang mit der Urabstimmung gebracht würde, heißt es. Überdies gebe es praktische Hindernisse, warum der angepeilte 1. 1. 2002 nicht mehr machbar sei. Die Firmen müssten auf Angebote der Abfertigungskassen und Banken warten, die aber erst geschnürt würden, wenn die Gesamtlösung unter Dach und Fach ist. Arbeitnehmerschutz Unverändert übernahm am Dienstag der Ministerrat den Vorschlag der Sozialpartner für eine Reform des Arbeitnehmerschutzes. Wichtigster Punkt ist ein gestrafftes und klareres System der Mindesteinsatzzeit für Arbeitsmediziner und Sicherheitsbeauftragte. Die Einsatzzeit wird je nach Arbeitsbelastung zwischen 1,2 bei geringer körperlicher Tätigkeit und zwei Stunden bei Nachtarbeit je Arbeitnehmer und Jahr gestaffelt. (ha, DER STANDARD, Printausgabe 17.10.2001)