Zum achten Mal sind am Mittwoch die heimischen Kabel-TV-Betreiber zusammengetreten, um aktuelle Trends, rechtliche Aspekte und technische Lösungen zu diskutieren. Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung in Fohnsdorf (Steiermark) wurde am Mittwochvormittag "das neue Fernsehen" erörtert: Über die Trends der TV-Zukunft waren sich die TV-Teilnehmer aber nur bedingt einig. Bestes Konvergenzprodukt: Taxi Orange Das Zusammenwachsen von Fernsehen und Internet auf der Fernsehoberfläche mit interaktiven Features prognostizierte einmal mehr Alfreda Bergmann-Fiala ( UPC Telekabel ): Die Entwicklungsstufe solcher Projekte befinde sich zwar noch im Stadium von "Mini-Anwendungen", europäische TV-Anstalten würden aber eifrig daran arbeiten. Bergmann-Fiala hatte auch ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung dieses Ansatzes: "'Taxi Orange' mit seiner Präsenz in Fernsehen, Radio und Internet war das beste Konvergenzprodukt, das ich kenne." TV wird "entmasst" Der damit zumindest indirekt angesprochene Chef des ORF-Internetdiensts ORF ON , Franz Manola, zeigte sich allerdings skeptisch, ob die Konsumenten tatsächlich darauf warten, Internet und TV auf der Mattscheibe vereint zu empfangen. "Dieses Thema nimmt von Jahr zu Jahr an Virulenz ab, weil mittlerweile die PC-Dichte in den Haushalten sehr groß ist", meinte er. Das Fernsehen als Massenmedium werde darüber hinaus zunehmend "entmasst" und verliere seinen Status als kollektiver Lieferant von Gesprächstoff. Manola sah vielmehr den Trend zum individualisierten TV "on demand", also auf Bestellung: Ihm schwebt ein "festplattenzentrierter" Fernseher vor, auf dem sich der Benutzer jene Programme speichert, die ihn wirklich interessieren. Woher der viele Content? "On demand" ist auch für Robert Bammer vom niederösterreichischen Betreiber Kabelsignal ein heißes Thema. Aber: "Woher kommt der viele und attraktive Content, und wie soll der Netzbetreiber das bezahlen?", so seine Fragen an die TV-Zukunft. "Der Content ist beschaffbar", zeigte sich Bergmann-Fiala überzeugt. "Die Frage ist vielmehr, können wir zusätzlich etwas damit verdienen?" Rechtliche Schwierigkeiten Einen "seriösen, realistischen Blick" warf der Publizist Jakob Steuerer auf die oft beschwörte schöne, neue Fernsehwelt. Er glaube nicht an die "Konvergenzidee", und auch Video on demand sehe er nicht kommen. Was die Inhalte betreffe, sähen sich die Netzbetreiber vor allem mit rechtlichen Schwierigkeiten konfrontiert: TV-Content könne keinesfalls einfach ins Internet gestellt werden, weil dafür die urheberrechtlichen Grundlagen fehlten. Verbindliche technische Standards Einig war man sich über die Notwendigkeit allgemein verbindlicher technischer Standards. Manola zeigte sich überzeugt, dass die "Multimedia Home Platform" (MHP), auf die sich die deutschen Programmveranstalter kürzlich geeinigt haben, "tatsächlich eine verbindliche Norm" werde. Damit gebe es für Entwickler nun Planungssicherheit. "Ziemlicher Murks" Bescheidene medienpolitische Perspektiven sah hingegen Hans Metzger von der Styria Medien AG . Das Privatfernsehgesetz stelle nur "erste zaghafte Schritte" in Richtung einer dualen Fernsehlandschaft dar und sei zum Teil ein "ziemlicher Murks". Potenzielle Privat-TV-Veranstalter würden sich mit "vielen Hürden und Fallstricken" konfrontiert sehen. "Unserer Ansicht nach wird es weiterhin bei einer Quasimonopolstellung des ORF bleiben", so Metzger. (apa)