Volksarmisten in Kampfanzügen kontrollieren die Einfallstraßen Schanghais, Tausende Polizisten bewachen das Konferenzgelände, Patrouillenboote kreuzen auf dem Jangtse und anderen Gewässern der 16 Millionen Einwohner zählenden Hafenstadt: Die chinesische Führung hat alles unternommen, um den am Donnerstag, beginnenden Besuch des US-Präsidenten George W. Bush trotz des Antiterrorkriegs möglich zu machen. Mit Bush kommen Russlands Präsident Wladimir Putin und Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi - insgesamt die Staats- und Regierungschefs aus 21 Staaten - bis zum Wochenende nach Schanghai, um am Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) teilzunehmen. Die KP-Führung betrachtet dieses größte politische Treffen auf chinesischem Boden seit der Machtübernahme 1949 auch als Anerkennung ihrer wirtschaftlichen Öffnungspolitik. Ursprünglich stand die Ankurbelung der Wirtschaft im asiatisch-pazifischen Raum ganz oben auf der Tagesordnung. Mit den USA und Japan als den größten Volkswirtschaften der Welt repräsentieren die Apec-Staaten 44 Prozent des Welthandels und die Hälfte der Weltbevölkerung. Antiterrordeklaration verlangt Nach dem Schock des 11. September verlangten die USA jedoch, dass die Konferenz (deren 10.000 Delegierte seit Wochenbeginn tagen) auch eine Antiterrordeklaration formuliert. Im Entwurf für die Resolution wird der Terrorismus als eine ernsthafte Bedrohung "für Frieden, Wohlstand und Sicherheit aller Menschen", egal welchen Glaubens und welcher Nationalität, verurteilt. Konkret wollen die Gipfelteilnehmer Maßnahmen zur finanziellen Austrocknung der Terrororganisationen sowie zur Verbesserung der Sicherheit in der Luftfahrt beschließen. Chinas Präsident Jiang Zemin hatte die Anschläge gegen die USA unmittelbar danach verurteilt und auch keine Einwände gegen den Militäreinsatz in Afghanistan erhoben. Peking verfolgt auch eigene Interessen: Es versucht, internationalen Rückhalt für den Kampf gegen uigurische Separatisten und Muslimrebellen in der westlichen Region Xinjiang zu bekommen. Präsident Bush, der China zu Beginn seiner Amtszeit als "strategischen Konkurrenten" bezeichnet und nach dem Abschuss eines US-Spionageflugzeuges eine Verschlechterung der Beziehungen erlebt hat, ist nun für eine neue Partnerschaft mit Peking offen. Sanktionsaufhebung Falls China bereits sei, entsprechende Geheimdienstinformationen auszutauschen, so berichtete die Washington Post am Mittwoch, dann könnten die USA ihre Sanktionen über die Lieferung von Militärgerät aufheben. Konkret geht es dabei um Ersatzteile für Black-Hawk-Helikopter, die von den USA 1989 gesperrt worden sind, nachdem die kommunistischen Führung den Demokratieaufstand auf Pekings Tiananmen-Platz blutig niedergeschlagen hatte. Nun steht für Bush die Partnerschaft offenbar wieder im Vordergrund, obwohl es weiterhin ungelöste politische Fragen gibt - vor allem um das Verhältnis zum US-Verbündenden Taiwan, dessen Eigenstaatlichkeit China nicht anerkennt. Wirtschaftlich geht es den Apec-Mitgliedern in Schanghai vor allem darum, die Realisierung eines 1994 im indonesischen Bogor beschlossenen Projekts voranzutreiben, das die Schaffung einer riesigen Freihandelszone im asiatisch-pazifischen Raum ab dem Jahr 2010 vorsieht. Der gemeinsame Kampf gegen den Terror, so sagten chinesische Konferenzteilnehmer zu Wochenbeginn in Schanghai, sollte diese Plänen noch "zusätzliche Dynamik" geben. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. Oktober 2001)