Walldorf/Wien - Ein Musterschüler der IT-Branche, der deutsche Softwarehersteller SAP, hat im dritten Quartal 2001 trotz eines deutlich gestiegenen Umsatzes ein Ergebnis unter den Erwartungen von Analysten erzielt und seine Prognose für das Gesamtjahr gesenkt. SAP gab am Donnerstag in einer Pflichtveröffentlichung bekannt, der Reingewinn habe bereinigt um Zukäufe im dritten Quartal auf 78 (Vorjahreszeitraum: 88) Mio. Euro (1,1 Mrd. S) abgenommen. Das Ergebnis habe mit 201 Mio. Euro in etwa auf Vorjahresniveau gelegen. Der Umsatz sei dagegen um 16 Prozent auf 1,65 Mrd. Euro gewachsen. Analysten errechneten für den Reingewinn einen Zuwachs um fast drei Viertel. Für das Gesamtjahr geht SAP nun von einem Umsatzwachstum von rund 15 Prozent aus, die operative Marge werde in etwa auf dem Vorjahresniveau von 20 Prozent bleiben. Bisher hatte SAP einen Umsatzzuwachs von mehr als 20 Prozent erwartet. Abgestraft wurde die SAP-Aktie an der Frankfurter Börse. Das Papier verlor zeitweise bis zu 18 Prozent an Wert. Um 14.30 Uhr notierte die Aktie bei 107 Euro, einem Minus von etwa 18 Punkten. "Es sind aber nicht so sehr die Zahlen an sich, die im Vergleich zur Branche ganz gut sind", sagte ein Börsenanalyst. "Es ist eher ein Vertrauensbruch mit dem Unternehmen, da sie bis zuletzt an ihren Prognosen festgehalten haben." SAP kündigte an, Kosten durch den Abbau der Belegschaft senken zu wollen. Weltweit beschäftigt der Softwarekonzern 27.884 Mitarbeiter. Von den Kürzungen soll vorwiegend die US-Tochter betroffen sein, wo heuer 850 Mitarbeiter neu eingestellt wurden. In Österreich gehen die SAP-Uhren anders. Von einem Kostensenkungsprogramm wolle man hierzulande nichts wissen, sagt Christian Taucher, Sprecher der SAP Österreich GmbH. Die Österreichtochter von SAP will die Belegschaft von 350 auf 370 Mitarbeiter zum Jahresende aufstocken. (jake, Der Standard, Printausgabe, 19.10.2001)