Gent/Wien/Linz - Österreich fehlen noch "rechtsverbindliche Zusagen" zur Zukunft des tschechischen Atomkraftwerks Temelin, sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) am Freitag Abend am Rande des EU-Gipfels in Gent. Ein Abschluss des Melker Dialogs innerhalb einer Woche, wie dies das tschechische Außenministerium in Aussicht gestellt habe, sei "unrealistisch". Schüssel selbst hat nach eigenen Angaben erst gestern per Fax "eine Kopie" des Briefes von EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen erhalten. Es sei richtig, dass Tschechien nun "Dokumente" zu Temelin vorgelegt habe. Teilweise stehe aber darin, dass Dinge noch "zu diskutieren" wären. Auch habe Tschechien auf Fragen, die im Juni gestellt worden seien, erst vor 14 Tagen Antworten vorgelegt, sagte Schüssel. Nun lägen Entwürfe der EU-Kommission, von Tschechien und Österreich vor. Die Verhandlungsführer, Umweltminister Wilhelm Molterer und Tschechiens Außenminister Jan Kavan, sowie die Beamten sollten jetzt die Arbeit aufnehmen und "die Texte auf eine Linie bringen". Schüssel wollte nicht darüber spekulieren, wie lange der Abstimmungsprozess noch dauern könnte. Kritik an der Position von Verheugen übte die Umweltorganisation Greenpeace. Seine Aussage, wonach alle Sicherheitsfragen zu Temelin geklärt seien, würden "von Ignoranz gegenüber den Sorgen der Österreicher" zeugen, erklärte Greenpeace in einer Aussendung. Die Umweltorganisation fordert Schüssel auf, Klarheit zu schaffen. Der Beauftragte des Landes Oberösterreich für grenznahe Atomanlagen, Radko Pavlovec, bezeichnete die Aussagen von Verheugen als "eindeutig" falsch: "Entweder wird Verheugen von seinen Beamten völlig falsch informiert, oder es handelt sich eine aktive Unterstützung der Atomlobby".(APA)