Rom - Der Mailänder Oberstaatsanwalt Gerardo D'Ambrosio, der mehrere Ermittlungen gegen den italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi führte, hat den Ministerpräsidenten, der am Freitag vom Vorwurf der Korruption frei gesprochen worden war, scharf attackiert. D'Ambrosio warf dem Ministerpräsidenten zu Wochenbeginn vor, den Freispruch auszunutzen, um die Glaubwürdigkeit der italienischen Justiz in Frage zu stellen. "Er nutzt den Freispruch aus, um das gesamte Justizsystem zu attackieren. Das eigentliche Ziel seiner Kampagne besteht darin, Jahre lange Anti-Korruptionsuntersuchungen in Misskredit zu bringen, Auf diese Weise will er die Glaubwürdigkeit der gesamten Anti-Korruptions-Prozesse in Frage stellen, als hätten wir nicht ein gesamtes auf Schmiergelder aufgebautes System entlarvt, das an Italiens demokratischen Leben progressiv nagte", sagte D'Ambrosio. Berlusconi will seine "Ehre" zurück Am Sonntag hatte Berlusconi die italienischen Medien in einem Schreiben an die Mailänder Tagezeitung "Corriere della Sera" aufgefordert, ihm seine "Ehre zurückzugeben", nachdem die 1994 eingeleiteten Anti-Korruptions-Ermittlungen nicht nur ihm schwer geschadet, sondern "den Kurs der italienischen Geschichte" geändert hätten. Die Anti-Korruptions-Untersuchung hatte im Dezember 1994 zum Bruch der Regierungskoalition um Berlusconi und zum Sturz seines Kabinetts nach knapp sieben Monaten Amtszeit geführt. Nach einer Uebergangsregierung unter der Führung von Lamberto Dini hatte die Mitte-Links-Koalition die Wahlen gewonnen und die Mitte-Rechts-Allianz Berlusconi in die Opposition verbannt. Erst nach sieben Jahren hat die Mitte-Rechts-Regierung mit der breiten Unterstützung der italienischen Wählerschaft wieder die Führung des Landes übernehmen können. Trotz des Freispruchs vom Freitag laufen noch einige Ermittlungen gegen Berlusconi. Er wird unter anderem beschuldigt, Schmiergelder beim Erwerb einer Supermarktkette 1985 gezahlt zu haben. Auch in Spanien wird gegen Berlusconi in Zusammenhang mit dem Erwerb des privaten TV-Kanals Telecinco ermittelt. Die Opposition wirft dem Medientycoon vor, Gesetze verabschiedet zu haben, um das Vergehen der Bilanzfälschung zu streichen, das seiner Medienholding Mediaset vorgeworfen wird. (APA)