Wien - Die Ursache für den Einsturz eines Teiles der Decke des Hörsaals 1 des Neuen Institutsgebäudes (NIG) der Uni Wien am vergangenen Donnertag ist geklärt. Das gaben am Montag die Geschäftsführer der Bauimmobiliengesellschaft (BIG) sowie zwei Sachverständige der Firma, die seit Freitag den Ort des Geschehens untersuchten, bekannt.Sanierung 1994 Dabei spielten bei dem Zwischenfall mehrere Faktoren eine Rolle: Bei einer Sanierung der Beleuchtungskörper der drei Hörsäle des NIG im Jahre 1994 wurden die T-Träger im vorderen Bereich der Säle durchschnitten. Man nahm an, dass es sich bei der Decke um eine Stahlbetonkonstruktion handelte. Das ging jedenfalls aus dem Bestandsplan aus dem Jahre 1959 hervor. In Wirklichkeit ist aber eine Holzwolleleichtbauplatte eingezogen, die diese Trägerkonstruktion nicht halten konnte. Die Heraklith-Platten an der Decke fielen hinunter. Auslöser unklar "Der Einsturz hätte nach dem Durchschneiden der T-Träger einen Tag später oder erst in zehn Jahren passieren können", sagte BIG-Geschäftsführer Gerhard Buresch. Über den Auslöser sei man sich nicht sicher: "Wir wissen, dass der Hohlraum über der Decke begangen werden kann. Ob jemand in der letzten Zeit dort oben war, ist uns nicht bekannt", erklärte Sachverständiger Ortfried Friedreich. Auch seien größere Erschütterungen oder Temperaturschwankungen als Verursacher möglich. Die Teile der Decke, die in den Hörsaal fielen, hatten ein Gewicht von insgesamt 80 bis 90 Kilogramm, sagte Friedreich. "Wir sind sehr froh, dass niemanden etwas passiert ist. Besonders bei der Tatsache, dass in diesem Gebäude viele Menschen ein und aus gehen", so Chromy. NIG seit 1961 Das NIG war 1961, als das Gebäude fertig gestellt wurde, noch nicht im Besitz der BIG, sagte Chromy. "Deshalb wissen wir noch nicht, warum die auf den Plänen vorgesehene Stahlbetondecke dann doch nicht eingezogen wurde", erläuterte der Geschäftsführer. "Es muss noch in die alten Leistungsverzeichnisse und die Abrechnungen geschaut werden." Zu sehen sei es mit freiem Auge nicht, dass es keine Stahlbetonkonstruktion war, so Friedreich. "Von unten ist diese Decke zudem auch verputzt", sagte der Geschäftsführer. Der zweite Sachverständige Albert Peter Raunicher: "Das NIG hat aber für die damalige Zeit, in der billig errichtet wurde, eine gute Bauqualität." Die BIG wird in allen drei Hörsälen die schadhaften Teile im vorderen Bereich, das sind insgesamt 50 Quadratmeter, erneuern. "Wir werden eine trockene Konstruktion aus Gipsplatten verwenden", erklärte Raunicher. Ursprünglich glaubte die BIG, dass der Betrieb der Hörsäle erst im März 2002 wieder aufgenommen werden könnte. "Da wir jetzt aber nicht die gesamte Decke, sondern nur den vorderen Bereich erneuern müssen, rechnen wir, noch heuer mit den Arbeiten fertig zu werden", so Chromy. Über eine Ausweichmöglichkeit für die Studenten wurde noch nichts entschieden. "Aber das sollte keine Frage des Geldes sein", meinte Chromy. Laut Chromy hat die BIG in diesem Jahr rund 470 Millionen Schilling (34,2 Millionen Euro) in die Instandhaltung der österreichischen Universitäten investiert. "Und das ist doppelt so viel wie bei einem normalen Wohnhaus", erklärte der Geschäftsführer. Liberale fordern "Geld-Zurück-Garantie Am Montag machten die Liberalen im Neuen Institutsgebäude (NIG) auf die unhaltbaren Zustände an Österreichs Universitäten aufmerksam. Mit gelben Schutzhelmen und Warntafeln wie "Vorsicht, Gehrergefahr" und "Hirnschutz tragen!" ausgerüstet, forderten die Liberalen eine "Geld-Zurück-Garantie" bei Ausfall von Lehrveranstaltungen. "Wir unterstützen die Schaffung eines Bildungsmarktes, denn dadurch werden Studierende auch endlich zu Kunden. Das heißt aber auch bei Nichterbringung der Leistung seitens der Uni Geld zurück!", so Alexander Zach, LIF-Bundessprecher. (APA)