Wien - Die Post bleibt hart in Sachen Postamtsschließungen. Das Strukturpaket sei vom Aufsichtsrat als "schlüssig" befunden und beschlossen worden. Nun werde es umgesetzt. Es sieht laut Vertriebsvorstand Josef Halbmayr die Schließung von "600 bis 700 Postämtern" vor, deren durchschnittlicher Verlust 400.000 Schilling (rund 29.000 Euro) pro Jahr und Postamt beträgt. Unterm Strich will die Post damit jährlich 300 Millionen Schilling einsparen. Die von den Politikern lautstark urgierten Schließungslisten bleiben dennoch unter Verschluss, bis das Verkehrsministerium die so genannte Universaldienstverordnung herausrückt - obwohl in dieser nur die Qualität der Postdienstleistung und -versorgung, nicht aber Anzahl und Ort der Postfilialen festgelegt werden. Den Vorwurf, die Post führe mit den Bürgermeistern nur mehr Scheinverhandlungen, weil die "schwarze Liste" längst feststehe, lässt Halbmayr nicht gelten. Denn die Alternative für ein kleines, unrentables Postamt sei ein "Post-Partner", also Lebensmittelhändler, Tankstellen oder Wirtshäuser, bei denen ein Postschalter errichtet werde. Deren Vorteil für die Bewohner: Die Poststelle bleibt im Ort und hat sogar längere Öffnungszeiten. Erst wenn diese Verhandlungen abgeschlossen seien, könne man die echten Schließungen beziffern. Klarheit soll es ab 1. Jänner 2002 geben, dann werden die "echten" Sperrlisten vorgelegt, und die Verlegung der 800 betroffenen Mitarbeiter in andere Dienststellen beginnt. Bestandsgarantie Dass irgendwann auch die nun verschont gebliebenen, zum Teil ebenfalls unrentablen 1600 bis 1700 Postämter zugesperrt werden, schloss Halbmayr definitiv aus. Für die gebe es eine Bestandsgarantie. In jenen 600 Gemeinden, die schon jetzt keinen Nahversorger haben, sollen mobile Finanzberater, so genannte Landzusteller, die Geldtransfers abwickeln. Damit will die Post AG drohende Umsatzeinbrüche aufgrund der "Netzverdichtung" möglichst verhindern. Für Unmut sorgt der Sonderfall Kärnten. Dort dürfen Postämter nur im Einvernehmen mit dem Land geschlossen werden. Allerdings: Der Vertrag schließt nicht aus, dass statt des Amtes ein Postpartner installiert wird. Landeshauptmann Erwin Pröll stellt der Post einen Sonderberater zur Verfügung, der die Schließungen in Niederösterreich beschleunigen soll. Dem Vernehmen nach will Pröll die unangenehme Sache rasch weg haben, um Störmanöver im Wahlkampf zu vermeiden. (ung, DER STANDARD, Printausgabe 23.10.2001)