Wien - "Muffige Atmosphäre hier" - so wird das Klima in Österreich oft und gerne beschrieben. Dies sei, glaubt man einer neuen Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ), ganz und gar auf den Verkehr zurückzuführen. Den überwiegenden Teil der Klimabelastung steuerte der Kfz-Verkehr bei (83 Prozent). Insgesamt betrügen die Klimakosten durch den Verkehr rund 1,6 Milliarden Euro (22 Milliarden Schilling).

Während die Industrie laut VCÖ seit dem Jahr 1975 etwa ihren Kohlendioxidausstoß um ein Drittel reduziert hat, haben sich die CO-Emissionen im Verkehrssektor um zwei Drittel erhöht. Grund dafür seien Verzerrungen im Verkehrsmarkt, die eindeutig den motorisierten Individualverkehr förderten. Dem VCÖ zufolge werden etwa Energieverschwendung und Umweltbelastung, die die gesamte Gesellschaft als "externe Kosten" belasten, nicht ausreichend in der Kostenrechnung berücksichtigt; saubere Luft und eine intakte Umwelt würden als "Güter ohne Wert" geführt.

"Günstiger Privat-Pkw"

Diese Zulassung externer Kosten kommt laut OECD einer Subvention des autogerechten Verkehrssystems gleich. Und diese Subvention veranlasse Jahr für Jahr 100.000 Österreicher, von den energieeffizienten Öffis, vom Fahrrad und vom Gehen zum vorgeblich "günstigen" Privat-Pkw zu wechseln.

Ein ebenfalls nicht kalkuliertes Problem ist für den VCÖ die zunehmend schlechtere Atemluft: Giftige Autoabgase seien laut Weltgesundheitsorganisation WHO für mehr als 2400 Todesfälle jährlich in Österreich verantwortlich. Das sind um zweieinhalb Mal mehr Getötete als bei Verkehrsunfällen.

Ein wachsendes Problem stellen laut VCÖ in diesem Zusammenhang die Dieselabgase dar. War 1980 noch jeder dreißigste Pkw ein Dieselfahrzeug, ist es inzwischen jeder dritte. Die Emissionen dieser Wagen enthielten schädliche, lungengängige Partikel, die Atemwegserkrankungen wie Bronchitis und Asthma verstärken sollen.

Forderung nach Partikelfilter

Der Verkehrsclub fordert deswegen den Gesetzgeber auf, umgehend Partikelfilter für solche Wagen vorzuschreiben. Der einzige Pkw-Hersteller, der solche Filter bisher serienmäßig einbaut, ist Peugeot. Das Filtersystem dieser Diesel-Pkw schafft es, 99 Prozent der Partikel zu eliminieren.

In Deutschland läuft bereits ein Verfahren wegen der Partikel: Greenpeace erstattete Mitte September gegen das Kraftfahrbundesamt und die Autohersteller Strafanzeige. Die Umweltorganisation prüft auch eine Sammelklage nach amerikanischem Muster. Durch Dieselruß geschädigte Menschen sollten so zu ihrem Recht kommen. (chr,DerStandard,Print-Ausgabe,23.10.2001)