Jerusalem - Nachdem Israels Ministerpräsident Ariel Sharon die Forderungen der USA und seines Koalitionspartners Außenminister Shimon Peres zurückgewiesen hat, den Militäreinsatz in den palästinensischen Gebieten zu beenden, erwägt die Arbeiterpartei nun den Auszug aus der Regierung. "Wenn die Armee weiter in diesen Gebieten bleibt, wird die Knesset-Fraktion den Parteigremien empfehlen, die Regierung der Nationalen Einheit zu verlassen", hieß es am Dienstag nach einer Fraktionssitzung in Jerusalem. Die Abgeordneten der Arbeiterpartei würden auch den Austritt aus der Regierung empfehlen, wenn diese "mit Wort oder Tat" nach einem Sturz der Palästinenserregierung strebe. Peres selbst sprach sich allerdings für einen Verbleib in der Koalition aus. Die USA, die sich um eine Unterstützung ihrer Militäraktion in Afghanistan durch moslemische Länder bemühen, haben in ungewohnt heftiger Form den sofortigen Abzug Israels aus den Gebieten verlangt, die von den Palästinensern verwaltet werden. Sharon erklärte, Israel wolle nicht die Kontrolle über jene Gebiete übernehmen, in die die Armee einmarschiert sei. Mit dem Mord an Tourismusminister Rehavam Zeevi sei aber eine Grenze überschritten worden, "und Israel, wie jedes demokratische Land, nimmt sein Recht auf Selbstverteidigung wahr". Die USA hatten nach dem israelischen Einmarsch am Donnerstag zunächst die Erwartung geäußert, er werde schnell beendet. Nach fünf Tagen wurde der Ton schärfer: "Israels Streitkräfte sollten sofort aus allen von den Palästinensern verwalteten Gebieten abgezogen werden", erklärte das Außenministerium in Washington. (APA/Reuters)