Leverkusen/Washington - Der Bayer-Konzern hat sich dem Druck der US-Regierung gebeugt und die Preise für die Lieferung des Milzbrandmedikaments Cipro drastisch gesenkt. Für die nächste Lieferung von über 100 Mill. Tabletten des Antibiotikums wird das US-Gesundheitsministerium pro Stück statt bisher 1,77 US-Dollar nur noch 95 Cent (1,1 Euro/14,7 S) zahlen. Bei weiteren Lieferungen soll der Preis schrittweise sogar auf 75 Cent sinken. Vor der Einigung Mittwochnacht hatte die US-Regierung gedroht, den Patentschutz für Cipro auszusetzen, falls es nicht zu einer Einigung komme. Aktie stürzt ab Der Kurs der Bayer-Aktie stürzte am Donnerstag um über vier Prozent ab. Tatsächlich sind die Zugeständnisse des deutschen Konzerns noch größer als es im Preis allein deutlich wird. Denn Bayer verpflichtete sich auch, die Vorräte der US-Regierung regelmäßig gegen neue Ware auszutauschen, um die Versorgung der US-Bevölkerung mit frischer Ware zu gewährleisten. Dies bedeute für die Behörde einen zusätzlichen Nutzen im Wert von 30 Prozent des Warenwertes, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Leverkusen mit. Außerdem spendete das Unternehmen insgesamt vier Mill. Cipro-Tabletten für Mitarbeiter von Notfall- und Rettungsdiensten sowie Postmitarbeiter, die möglicherweise mit kontaminierten Briefen in Kontakt kamen. Bayer unterstützt die USA "Bayer fühlt sich verpflichtet, Amerika in seinem Kampf gegen den Bioterrorismus zu unterstützen", sagte Helge Wehmeier, Leiter der Bayer Corporation Inc., Pittsburgh. Durch das Abkommen über die Lieferung von bis zu 300 Mill. Cipro-Tabletten erhalte die Regierung einen hinreichend großen Vorrat des Antibiotikums, um die Bevölkerung vor den Auswirkungen eines Milzbrandanschlages zu schützen. Die Vereinbarung zwischen Bayer und dem US-Gesundheitsministerium sieht die Lieferung von 100 Mill. Cipro-Tabletten bis zum Ende des Jahres vor. Die US-Regierung hat zusätzlich die Möglichkeit weitere 200 Mill. Tabletten zu beziehen. Thompson sagte, Bayer habe erklärt, 200 Mill. Tabletten in 60 Tagen produzieren zu können. Das reiche für die Behandlung von zwölf Millionen Menschen. Keine Auswirkung auf Preise für Privatverbraucher Die Einigung hat keine Auswirkung auf die Preise für Privatverbraucher. In US-Apotheken kosten Cipro-Tabletten vier bis fünf Dollar. Der demokratische Senator Charles Schumer rief Bayer auf, auch für die Verbraucher die Preise zu senken. Bayer hatte zuvor mit Kanada eine Regelung getroffen, nachdem auch dort mit einer Aufhebung des Patentschutzes gedroht worden war. Im Falle einer Bedrohung durch Bioterrorismus soll Cipro nun zum Stückpreis von 1,30 Dollar geliefert werden. (APA/AP)