Gaza/Jerusalem - Der deutsche Außenminister Joschka Fischer ist mit seiner jüngsten Nahostmission vorerst gescheitert. Nach einer mehr als zweistündigen Unterredung mit dem palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat sagte er am Freitag in Gaza-Stadt, die Bemühungen würden fortgesetzt. Er könne aber nicht sagen, wann Fortschritte zu erwarten seien, da die Situation sehr kompliziert sei. Fischer hatte gehofft, die Palästinenser würden als Gegenleistung zum beschlossenen stufenweisen Rückzug der Israelis aus den Autonomiegebieten mit konkreten Schritten zum Friedensprozess zurückkehren. Arafat erklärte jedoch auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, er danke dem Minister "persönlich" für sein Engagement im Friedensprozess und Deutschland für seine Unterstützung. Die Auslieferung der Mörder des israelischen Tourismusministers Rehavam Zeewi, der vergangene Woche ermordet worden war, lehnte Arafat ab. Israel ist trotz internationalen Drucks nicht zum bedingungslosen Rückzug aus den palästinensischen Autonomiegebieten bereit. Ministerpräsident Ariel Sharon und Außenminister Shimon Peres erklärten am Freitag, Bedingung sei die Einhaltung des Waffenstillstands durch die Palästinenser und Sicherheitsmaßnahmen. Zu diesen zählte Sharon die Festnahme militanter Palästinenser durch die Autonomiebehörden. Wenn dies erfüllt werde, solle schon bald mit der Räumung Bethlehems und Beit Jalas begonnen werden. Israelische und palästinensische Sicherheitsoffiziere trafen sich am Nachmittag zusammen mit US-Vermittlern, um Einzelheiten eines Rückzugs aushandeln. Peres sagte, Israel wolle zunächst einen Rückzug aus Bethlehem und Beit Jala vorschlagen. In Sharons Erklärung hieß es, der Abzug der Truppen solle phasenweise verlaufen und auch von der Lage in dem jeweiligen Gebiet abhängen. Die Ermordung Zeevis war Anlass für die bisher größte israelische Militäraktion im Westjordanland und Gazastreifen seit 1994. Dabei drangen die Truppen in zahlreiche palästinensische Orte ein, wobei seither mindestens 37 Palästinenser getötet wurden. Ebenfalls am Freitag trafen Sondergesandte der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und Russlands sowie andere Diplomaten mit Arafat zusammen. In einer gemeinsamen Erklärung, die vom UNO-Gesandten Terje Röd-Larsen verlesen wurde, begrüßten sie die Bereitschaft Arafats, konkrete Schritte zur Bekämpfung der Gewalt zu tun und die uneingeschränkte Einhaltung des Waffenstillstands zu gewährleisten. Dies hatte Arafat Donnerstag Abend zugesagt. Der UNO-Sicherheitsrat unterstützte in einer Stellungnahme die Forderung nach einem sofortigen Rückzug der israelischen Truppen. Arafats Erklärung hatte bei Fischer und dessen israelischem Kollegen Peres Skepsis ausgelöst. Beide Politiker sagten nach einer Unterredung in Tel Aviv, den Worten Arafats müssten Taten folgen. Peres hob hervor, von palästinensischer Seite seien schon viele Erklärungen abgegeben worden, die sich als wertlos erwiesen hätten. Ungeachtet der Bemühungen um ein Ende der Gewalt wurden bei bewaffneten Zwischenfällen auch am Freitag wieder fünf Menschen in den Palästinensergebieten getötet. Israelische Soldaten erschossen drei Mitglieder der radikal-islamischen Hamas-Organisation, die vor Morgengrauen versuchten, in die jüdische Siedlung Dugit im Norden des Gazastreifens einzudringen. Ein israelischer Beduine wurde von einem Soldaten erschossen, als er den Grenzzaun zum Gazastreifen mit einem Traktor einreißen wollte. Im Aida-Flüchtlingslager bei Bethlehem starb in der Nacht ein Mitglied der palästinensischen Polizeitruppe Force 17 bei Schießereien mit israelischen Soldaten. Unter dem Eindruck der anhaltenden Gewalt befürworten offenbar immer mehr Israelis die Forderung der äußersten Rechten nach einer Vertreibung der Palästinenser aus dem Westjordanland und Gaza-Streifen. Eine am Freitag veröffentlichte Gallup-Umfrage der Zeitung "Maariv" ergab, dass die Hälfte sich für diese Forderung aussprach. (APA)