"Die Vorteile Irans wurden endlich auch von Österreich entdeckt", schrieb Etelaat im Vorfeld der Reise des österreichischen Bundeskanzlers nach Teheran. Der Besuch von Wolfgang Schüssel in Teheran am Donnerstag im Anschluss an die Visiten von gleich drei EU-Außenministern - des deutschen, italienischen und britischen - ist für die liberale iranische Presse ein Zeichen, dass die Entspannungspolitik von Präsident Mohammed Khatami den Iran wieder auf die politische Weltbühne zurückgebracht hat.

Schüssels Besuch stand jedoch im Schatten der aktuellen Ereignisse, insgesamt war das Interesse der iranischen Presse mäßig. Natürlich stand die Situation im Afghanistan im Mittelpunkt der Gespräche, wobei dem Kanzler "die Bedenken Irans in Bezug auf die US-Angriffe auf Afghanistan erläutert wurden", wie ein hoher Beamter des iranischen Außenministeriums dem STANDARD sagte. Diese seien weniger politischer, sondern mehr moralischer Natur, erklärte Präsident Khatami.

Schüssel würdigte die bedeutende Rolle Irans in der Region. Beobachter spekulierten, dass er kurz vor seiner Reise in die USA als Vermittler zwischen Teheran und Washington auftreten könnte. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums erteilte diesen Spekulationen mehr oder weniger deutlich eine Absage, es gebe "verschiedene andere Kanäle" für den Meinungsaustausch zwischen den beiden Ländern seit dem 11. September. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28. Oktober 2001)