Tel Aviv - Österreichs darf auf die achte WM-Teilnahme zumindest noch weitere zwei Wochen hoffen. Denn die ersatzgeschwächte ÖFB-Auswahl hat die vorletzte Hürde im Wettlauf zur WM-Endrunde 2002 in Südkorea und Japan genommen. Sie erreichte am Samstag Abend vor 42.000 Zuschauern im ausverkauften Ramat Gan-Stadion von Tel Aviv nach großem Kampf ein 1:1 (0:1) und verteidigte damit den zweiten Tabellenplatz in der Gruppe sieben hinter WM-Fixstarter Spanien erfolgreich. Dass die Chance weiter lebt, war vor allem das Verdienst von Kapitän Andreas Herzog, der nach genau 91:42 Minuten aus einem Freistoß den Ausgleich erzielte.Herzog entschied wieder Der Kapitän in Diensten von Werder Bremen ist ja ein Spezialist für solche Situationen. Er hatte Österreich mit seinen entscheidenden zwei Toren zu den zwei 1:0-Erfolgen gegen Schweden zum WM-Turnier 1998 geschossen. Als fast niemand mehr mit dem Ausgleich gerechnet hatte, legte sich der Wiener den Ball rund 18 Metern vor dem Israel-Tor auf und knallte den Ball durch die löchrige Mauer flach ins rechte Eck. Fußball-Österreich feierte das Remis wie einen Sieg und fühlte sich wie im siebenden Himmel. Jetzt geht es am 10. (Ernst Happel-Stadion) und 14. November (in der Türkei) um ein WM-Ticket. Dabei hatte Israel hatte nach einem verwandelten Elfmeter von Gershon ab der 56. Minute 1:0 geführt, aber dann kam Herzog. Drei Neulinge Vor dem Spiel, für das 1.500 Sercurity-Leuten abkommandiert wurden und in dessen Vorfeld so manche Aussage für Wirbel gesorgt hatte, wurden die Gäste während des Abspielens ihrer Hymne mit einem gellendes Pfeifkonzert empfangen. Otto Baric bot in seinem 20. Länderspiel als ÖFB-Teamchef, das er vorher als eines der schwierigsten seiner langen Karriere bezeichnet hatte, eine defensiv eingestellte Elf mit den drei Neulingen Vukovic, Markus Hiden und Strafner auf. "Alle sind erfahren, haben keine Angst", vertraute der 69-jährige Kroate vor dem Ankick seinen Auserwählten. Vukovic organisierte die Abwehr gut Den Österreichern, die seit einem Jahr (7. Oktober 2000 in Liechtenstein 1:0) auswärts sieglos sind, hätte ein Punkt zum zweiten Gruppen-Platz genügt, die Israeli unbedingt gewinnen müssen. Vom Hexenkessel inspiriert, begannen die Hausherren dementsprechend druckvoll. Doch die "Notelf" von Baric stand in der Defensive um Libero-Oldie Vukovic gut, machte die Räume eng, alle gingen aggressiv in die Zweikämpfe, rackerten und agierten taktisch diszipliniert. Markus Hiden störte die Kreise von Berkovic und der Wille, der Mut zum Konter, vor allem über Herzog, Vastic und Schopp, war auch stets bemerkbar. Auch Chancen für Österreich in Halbzeit eins Die Baric-Schützlinge überstanden den ersten Ansturm in der aufgeheizten Stimmung unbeschadet und tauchten sogar auch gefährlich vor dem gegnerischen Gehäuse auf. So, als Gershon in letzter Sekunde am Strafraum Vastic (8.) den Ball wegspitzelte, Keeper Dudu Awat nach Herzog-Flanke und Hass-Schuss (15.) aus kurzer Distanz mit dem Fuß abwehrte oder Vukovic (18.) einen Herzog-Corner daneben köpfelte. Bis dahin hatte auf der Gegenseite nur ein Nimny-Schuss (8.) von einem ÖFB-Verteidiger in den Corner abgefälscht werden müssen. Richard Möller-Nielsen ersetzte nach 25 Minuten den verletzten Banin, für den Tal kam, und dann schlug Keisi (29.) Schopp mit dem Ellbogen ins Gesicht. Österreich brachte das torloses 0:0 in die Pause, denn Ben Dayan (35.) verfehlte per Kopf das Tor ebenso wie Revivo (36.) mit einem Schuss. Die Israeli kamen mit frischem Elan aus der Kabine. Wohlfahrt musste im Herausstürzen gegen Ben Dayan (49.) klären, war dann aber in der 56. Minute machtlos. Elfmeter für Israel Gershon verwertete den fragwürdigen Foulelfer flach und in die Mitte platziert unter dem Jubel der Massen zur 1:0-Führung der Israeli verwertet, wobei Wohlfahrt in die linke Ecke flog. Vastic hatte den durchstürmenden Nimny leicht berüht und damit zu Fall gebracht. Und das, obwohl Vukuvic als Ausputzer schon bereit gestanden wäre. Baric reagierte und setzte mit Lexa einen vierten Neuling ein und brachte später mit Wallner und Kocijan noch zwei weitere Offensiv-Kräfte. Frischer Wind durch Wechsel Damit bekam das rot-weiß-rote Spiel Rückenwind, während die "Blauen" Nerven zeigen. Haas (54.), dem nach Winklhofer-Flanke ein Volley-Versuch mißlang, und Kitzbichler (61.), dessen Schuss in den Corner abgefälscht wurde, verfehlten aber jeweils das Ziel. Bei einem Herzog-Schuss (73.), den Wallner leicht touchierte, hatte Dudu Awat Glück, das auch Wohlfahrt zur Seite stand, als er den Ball nach einem Schuss von Ben Dayan (77.) an die rechte Stange abwehrte. Herzog behielt die Nerven Den bis zum Schluss kämpfenden Österreichern lief mit dem Mute der Verzweiflung die Zeit immer mehr davon. Die Hoffnung keimte dann noch einmal auf, als Budu Awat nach Kocijan-Schuss (82.) den Ball über die Latte drehte. Aber dann kam das nicht mehr für möglich gehaltene Happy end durch Herzog. Der Regisseur verlängerte damit auch den Vertrag von Baric, dessen Vertrag mit dem ÖFB bei einer Niederlage ausgelaufen wäre. Jetzt dürften alle noch weiter hoffen. (APA) WM-Qualifikation der Europa-Gruppe sieben: Israel - Österreich 1:1 (0:0) . Ramat Gan-Stadion von Tel Aviv, 42.000 Zuschauer (ausverkauft), Schiedsrichter Vitor Melo Pereira (Portugal) Torfolge: 1:0 (56.) Gershon (Elfmeter) 1:1 (92.) Herzog (Freistoß) Israel: Dudu Awat - Benado, Gershon, Keisi - Talkar, Abukasis, Banin (26. Tal), Berkovic, Ben Dayan - Revivo (53. Katan), Nimny Österreich: Wohlfahrt - Vukovic - Winklhofer, Strafner (69. Wallner), Prilasnig - Schopp (60. Lexa), Markus Hiden, Vastic, Herzog, Kitzbichler (74. Kocijan) - Haas Gelbe Karten: Abukasis bzw. Haas, Vastic, Markus Hiden, Wallner, Wohlfahrt