Wien - Hunderte Betriebe der Zwei- und Dreisternekategorie und zumindest ebenso viele Privatzimmervermieter in Österreich haben in den vergangenen Jahren zugesperrt. "Ein Armutszeugnis", wie der Tourismussprecher der SPÖ, Emmerich Schwemlein, im Gespräch mit dem STANDARD meint. "Mit jedem Haus, das zusperrt, geht ein Stück Vielfalt verloren."

Durch verstärkte Kooperation zwischen den touristischen Leitbetrieben, Fremdenverkehrsverbänden und Privatzimmervermietern sollte der Niedergang des Wirtschaftszweigs verhindert werden. "Die Region lebt von der Masse der niedrigen Kategorien", sagte Schwemlein. "Nicht jeder Gast mag seinen Urlaub in einem Haus verbringen, wo die Rezeption 24 Stunden offen hat und wo jeden Tag die Bettwäsche gewechselt wird." Gerade die Vielfalt des Angebots - auch bei den Übernachtungsmöglichkeiten - mache den Reiz einer Region aus.

"Es geht um Arbeitsteilung", so Schwemlein. Es sei illusorisch zu glauben, ein Zweisternehaus könne eine wirklich gute Weindegustation auf die Beine stellen. "Die haben die Möglichkeiten nicht", sagte Schwemlein. Dies könnten aber sehr wohl die zwei, drei Leitbetriebe eines Ortes tun und dann die anderen einladen, daran teilzunehmen. "Der Veranstalter profitiert, die Gäste sind zufrieden, und die Privatzimmervermieter gewinnen auch, weil zufriedene Gäste kommen wieder."

Um solche Kooperationen in die Wege zu leiten, sei allerdings noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Tourismusstaatssekretärin Mares Rossmann könnte laut Schwemlein einen Beitrag leisten, indem sie "vermittelnd eingreift, motiviert, Barrieren abbaut und beinharten Lobbyismus betreibt".(Günther Strobl, Der Standard, Printausgabe, 29.10.2001)