Wien - Ein Diamant sei unvergänglich, lautet die frohe Werbebotschaft. Womit sie zweifelsfrei Recht hat. Für Christoph Kraus, Vorstandsvorsitzender der Kathrein Bank, sind die glänzenden Steine die Krisenwährung schlechthin: "In wirklich großen Krisen greift man auf Diamanten zurück."

Im Allgemeinen, so Kraus, sind allerdings andere Sachwerte wie Gold oder Antiquitäten wesentlich beliebter bei den Anlegern. Zu Unrecht, meint Werner Haas, Sprecher des österreichischen Diamantenclubs und selbst Diamantengroßhändler: "Diamanten machen als Wertanlage und als Schmuck Freude." Wer seine Anlagestrategie nach der Philosophie des legendären Baron Rothschild ausrichtet - "ein Drittel in Aktien, ein Drittel in Grund und Boden sowie ein Drittel in Geld" - findet gleich mehrere Gründe, den edlen Steinen einen fixen Platz im Portefeuille zuzuweisen: Neben dem absoluten Schutz vor Inflation, abstürzenden Börsen oder Währungsreformen bieten Diamanten einen steuerfreien Wertzuwachs und verursachen keine Extraspesen.

Interessantes Detail für genervte österreichische Sparer: Diamanten sind ein völlig anonymes Investment, das man in einem Safe wunderbar vor neugierigen Augen schützen kann. Und nicht zuletzt: Sie sind die härteste Währung der Welt, die allerorts gleich bewertet wird - nach den berühmten vier Cs: Carat (Gewicht), Colour (Farbe) , Clarity (Reinheit), Cut (Schliff).

Ein Carat entspricht dem Fünftel eines Gramms (0,2 g). Die gängigsten Steine sind heute Halbkaräter und Einkaräter. "Ein großer Stein ist sinnvoller als viele kleine", rät der Wiener Juwelier Ernst Haban, der trotz der aktuellen Konjunkturkrise von stabilen Verkaufszahlen berichtet. Ein Halbkaräter von durchschnittlicher Qualität ist heute ab rund 50.000 Schilling (3633,64 Euro) zu haben. Wertzuwächse von rund fünf Prozent pro Jahr sind üblich. "Es passiert nur sehr selten, dass ein Stein in einem halben Jahr eine Wertsteigerung von zehn Prozent erreicht", so Haban. Logisch, dass Diamanten die ideale Geldanlage für sehr konservativ eingestellte Anleger seien.

Grundsätzlich gilt: Je größer der Stein, umso seltener ist er. Die höchsten Preise erzielten in der Geschichte farbige Steine. Eine Richtschnur für deren astronomischen Preise gibt es dennoch: 1987 versteigerte Christie's in New York einen vergleichsweise winzigen roten Diamant von knapp einem Carat um 926.000 US-Dollar (14,3 Mrd. S).

Diamantenkartell

Dass die Preise bei den häufigeren weißen Steinen von heftigen Preisausschlägen verschont bleiben, dafür sorgt der Quasimonopolist De Beers, der einen Weltmarktanteil von 65 Prozent hat. Das De-Beers-Diamantenkartell "Central Selling Organisation" wurde 1929 gegründet und im Juli 2001 offiziell aufgelöst - nach schweren Imageproblemen aufgrund der vermuteten Verstrickung in den Diamantenhandel kriegführender afrikanischer Staaten. Werner Haas meint: "De Beers hat sich dafür bei verschiedenen großen Diamantenminen eingekauft und wird weiter die Preise stabil halten."(Gerlinde Maschler, Der Standard, Printausgabe, 29.10.2001)