Wolfsburg - Österreicher raus, Deutsche rein. Das könnte unter anderem passieren, wenn der designierte VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder in knapp sechs Monaten Ferdinand Piëch im Amt beerbt. Auch wenn beide am Montag eilig entsprechende Medienberichte zurückwiesen und betonten, personelle Änderungen seien nicht vorgesehen, wird in der Branche genau das erwartet. Ex-BMW-Boss Pischetsrieder werde nämlich selbstverständlich alle strategisch wichtigen Positionen mit seinen Gefolgsleuten besetzen, heißt es. Die Financial Times Deutschland (FTD) hatte über einen bevorstehenden Umbau gemutmaßt und die Vorstandsmitglieder Bruno Adelt (Finanzen) und Robert Büchelhofer (Vertrieb) genannt. Büchelhofer ist, wie Piëch, Auslandsösterreicher. Weitere Austro-Topmanager im Konzern sind Audi-Vertriebschef Georg Flandorfer sowie Herbert Demel, Leiter von VW do Brasil und Exbundeskanzler Viktor Klima, Leiter von VW Argentina. Alle drei dürften aber auch nach der "Wende" fest im Sattel sitzen. Entscheidungen spätestens im April 2002 Und selbst Piëch bleibe "als künftiger Aufsichtsratsvorsitzender in einer sehr aktiven Rolle, jedenfalls dem Geschäft sehr nahe", relativiert ein Insider gegenüber dem S TANDARD Befürchtungen über einen schwindenden österreichischen Einfluss bei Europas größtem Autobauer. Entscheidungen über Veränderungen in den Chefetagen sind dem Vernehmen nach frühestens bei der nächsten Aufsichtsratssitzung zu erwarten, spätestens aber im April 2002 bei der Hauptversammlung. Dann, wenn der jetzige Konzernchef sein Amt niederlegt. Die FTD hatte berichtet, mit Büchelhofer sei erfolglos über eine Abfindung verhandelt worden. Sein Vertrag laufe noch drei Jahre. Für Adelt werde bereits ein Nachfolger gesucht, hieß es unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Pischetsrieder mache Adelt für die schlechte Entwicklung der VW-Aktie verantwortlich. Platz des Audi-Chefs unklar Der Platz von Audi-Vorstandschef Franz-Josef Paefgen in der neuen Konzernstruktur sei noch unklar. Audi, Seat und Lamborghini sollen nach einer Ankündigung Piëchs künftig als sportliche Marken unter der Verantwortung eines Konzernvorstandes zusammengefasst werden. Als heißer Kandidat für den Posten gelte VW-Entwicklungschef Martin Winterkorn. Eine personelle Änderung ist bereits fix: Am Freitag wurde bestätigt, dass VW-Kommunikationschef Klaus Kocks - eindeutig kein Österreicher - den Konzern zum 1. 1. 2002 verlässt. (stock, dpa, DER STANDARD, Printausgabe 30.10.2001)